Rüder Alpenkitsch
Wiedersehen macht Freude. Bisweilen aber nur bedingt. Der Regisseur Jean-Louis Grinda war von 1996 bis 2007 Intendant der Opéra Royal de Wallonie. Seine klare Ausrichtung auf das italienische und französische Repertoire wirkt bis heute nach, wenngleich sich das Haus inzwischen auch slawischen und deutschen Werken öffnet. Desto befremdlicher, was der Ex-Chef nun mit Rossinis Grand opéra abliefert. Opernmuseum macht ja, wenn es perfekt präsentiert wird, durchaus Effekt. Doch bei Grindas «Guillaume Tell» legt sich eine dicke Staubschicht über die Szene.
Rossinis Riesentableaus werden glatt verschenkt. Keine Rede von bildmächtigen Lösungen. Immer wieder drückt sich der Chor ratlos in der Ecke herum. Eilt wer auf die Bühne, dann mit sichtbar kurzem Anlauf, niemals so, als käme er von weit her. Solistinnen und Solisten ergehen sich über weite Strecken im Rampensingen bei abgenutzter Operngestik. Allein die zweite Szene des dritten Akts scheint Grinda zu packen: Zwingt Gessler den Schweizern Fröhlichkeit und Huldigungsgebaren ab, scheuen des Vogtes Schergen nicht vor roher Gewalt. Wie auf einem Gefängnishof zusammengepfercht, schlurfen die Unterjochten im Kreis. Die habsburgische ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Michael Kaminski
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Der Teufel mag es ungebärdig und ein wenig billig. Das ist seine Welt, da kennt er sich aus. Er mag den Zinnober, zündet Flämmchen an und hetzt die Masse auf, in der Hölle nur noch das Wort «Hass» zu skandieren. Ein schlimmes Wort, das hier noch gefährlicher zischt als sonst schon. Ein Tierlaut – sieht man davon ab, dass Tiere nicht hassen. In einer der schönsten...
Herr Tetelman, viele Menschen denken derzeit an Puccini, wenn sie Ihren Namen hören. PR, CD und entsprechende Auftritte tragen da ebenfalls ihre Früchte. Was ist eigentlich eine Puccini-Stimme?
Ganz prinzipiell: Ich glaube, dass es Puccini-Stimmen gibt. Die Historie hat doch gezeigt, dass es spezielle Stimmen für Puccini, andere etwa für Verdi gibt. Nur ein paar...
