Sternstunde
Der Sturm tobt nur außen. Was gut ist. Man möchte ihn wirklich nicht erleben. Dazu lässt es das Philharmonische Orchester Ulm ordentlich krachen, blitzen und donnern. Es ist ein kosmischer, apokalyptischer Orkan, der alles und jeden wegfegt. Die Menschen haben sich in eine Schutzzone zurückgezogen, einen von Neonlicht erleuchteten Betonraum zwischen Bunker-Anmutung und Kuppelkirche. In diesem Interieur überlebt die Menschheit irgendwie und wartet auf ihren neuen Hoffnungsträger.
Otello tritt dann auch mit einem strahlenden «Esultate» auf und schwingt sich gleich am Anfang mühelos zum kräftezehrenden hohen H hinauf. Rodrigo Porras Garulo ist eine Idealbesetzung: baritonal gestützt in der unteren Lage und mit heldenhafter, blitzsauberer Höhe gesegnet, dazu in der Darstellung mit psychologischer Tiefe – ein Bild von einem Mann und ein Tenor, der weiß, was er singt.
Der Mensch wird in diesem Ambiente auf seine innere Natur zurückgeworfen. Die nutzt der in der Rangfolge übergangene Jago. Das ist kein Schurke, sondern ein mit einem Borsalino-Hut ausgestatteter Intellektueller. Kein Bösewicht, kein kleinlicher Neidhammel, sondern die amoralische Elementarkraft, die stets das Böse will ...
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Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Bernd Künzig
Herr Zielke, die erste Information auf Ihrem Facebook-Account lautet «Ich bin 1,87 Meter groß». Warum ist das so wichtig?
Der Eintrag ist 20 Jahre alt, glaube ich. In den Sozialen Netzwerken wird ja Selbstdarstellung großgeschrieben. Hobbys wie Reiten, Reisen – da fand ich eine solche Banalität ganz passend.
Wie wichtig ist Social Media in Ihrem Beruf?
Sehr...
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Es war ein heißer Frühsommertag in Barcelona, damals, vor mehr als zwanzig Jahren. Gidon Kremer hatte am Vorabend Beethovens sperriges Violinkonzert gespielt, und wie so oft, glich Kremers Lesart einer musikalischen Offenbarung. Nun, ein Dutzend Stunden später, saß er in der Lobby eines Hotels in der Innenstadt und wirkte wie ein Mensch, der nur eines kennt – die...
