Ein Opfer reaktionärer Romantik
Kann es sein, dass wir von Mozart wenig verstanden haben? Dass seit der Uraufführung des «Don Giovanni» bis auf unsere Tage vorwiegend Irrtümer und ideologische Verfälschungen die Runde machen? Wer das mit kühnen Thesen aufwartende Buch von Gerd Michael Herbig studiert, kommt unweigerlich zu diesem Schluss. Die einzigartige Komplexität des Werkes ist bislang nur ansatzweise durchschaut, seine manifeste Botschaft mutwillig oder aus blanker Ahnungslosigkeit ins Gegenteil verkehrt. Eine Phalanx prominenter Autoren von E. T. A.
Hoffmann und Søren Kierkegaard bis Hans Mayer und Wolfgang Hildesheimer hat nolens volens die Unwahrheit zum hermeneutischen Prinzip erhoben. Herbig spricht von Denkverweigerung – und demonstriert auf 650 eng beschriebenen Seiten (im Lexikon-Format DIN B5), wie Musik und Text zu analysieren sind, nimmt man Mozart und Lorenzo da Ponte ernst.
Die Bibliographie umfasst 850 Titel. Der Fokus liegt auf französischen und deutschen Aufklärern; poetische, philosophische und musiktheoretische Veröffentlichungen des 18. Jahrhunderts werden zu Rate gezogen – also das Mozart verfügbare Wissen – und durch Publikationen moderner Autoren gestützt, unter ihnen Norbert Elias, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Volker Tarnow
Mit dem Thema «Balzac und das Lied» wäre nichts zu holen, meint Romain Benini im Booklet des Albums «Chansons Balzaciennes», vergisst jedoch, dass Musik im Œuvre des großen französischen Epikers durchaus von Bedeutung ist. Allerdings ließe sich damit eine Schneise in den kulturellen Untergrund der Gesellschaft schlagen, die der Dichter in seiner «Comédie humaine»...
Es mag seltsam anmuten, doch gerade in seinem Sehnsuchtsland, dort, wo die Zitronen blühen, fand sich – mit Ausnahme Ferruccio Busonis, der aber eine heftige Neigung zu Deutschland empfand – kein bedeutender italienischer Komponist des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, der Goethes Schauspiele, Dramen oder Gedichte in Töne setzen wollte. Sie alle, sei es Bellini...
Recycling ist zweifellos eine gute Sache. Und statt Fast-Fashion-Shopping zu betreiben, sollte man von Zeit zu Zeit mal den eigenen Kleiderschrank durchforsten. Doch was für die private Garderobe gilt, empfiehlt sich nicht unbedingt für die Ausstattung einer Oper. 2021 sollten «Die Barbaren» von Camille Saint-Säens an der Oper Leipzig herauskommen. Die Produktion...
