Sängerin des Jahres 2024
Kunstwerke, so hat es Theodor W. Adorno im Rahmen seiner «Ästhetischen Theorie» einmal behauptet, seien «nicht von der Ästhetik als hermeneutische Objekte zu begreifen; zu begreifen wäre, auf dem gegenwärtigen Stand, ihre Unbegreiflichkeit». Damit hat der Musikphilosoph nicht nur das Enigmatisch Autonome eines jeden Kunstwerks gekennzeichnet und sich selbst, einem der fähigsten Interpreten von Kunst(werken), widersprochen, er hat in gewisser Weise auch die Rolle der Künstlerin und des Künstlers selbst prästabiliert.
Denn erst jene Akteure, die am Abend auf der Bühne stehen, befreien das Werk (so nicht eine überambitionierte Regie im Wege steht) aus seiner Unbegreiflichkeit und überführen es im besten Fall in eine Geschichte, deren mimetische Anverwandlung des Vorliegenden zu beglücken vermag. Asmik Grigorian zählt zu denjenigen, die durch ihre Art, Rollen zu verkörpern, sie sich gleichsam in den eigenen Körper zu überschreiben, das Publikum und auch die Kritik seit vielen Jahren fesseln. Die litauische Sopranistin ist die Königin der Schmerzen und der Lust, des Lebens und des Leidens, kurzum: eine Sängerdarstellerin von hohen Gnaden
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 14
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Die Erinnerung ist ein seltsames Tier. Manchmal, meist in der Nacht, steht sie fauchend und zähnefletschend vor mir, so als wolle sie mich gleich zerreißen; das sind die Augenblicke, in denen ich mich, in Schweiß badend, vor ihr fürchte. Manchmal ist sie hingegen wie eine sprießende Blume, und plötzlich sieht die Welt um mich herum so unfassbar schön aus; das sind...
