Uraufführung des Jahres 2024
Nicht jedes zeitgenössische Musiktheater ist zwingend auch ein Musiktheater für Zeitgenossen und -genossinnen. Manche Stücke erliegen zu sehr der Ambition, als rein ästhetische Schöpfungen wahrgenommen werden zu wollen; ihnen fehlt der nötige gesellschaftliche Bezug, sie sind, und das nicht unbedingt im besten Sinne des Wortes, L’art pour l’art.
Blättert man in Gedanken durch die vergangene Spielzeit, so lässt sich bei aller Unterschiedlichkeit der Stile und Methoden eines konstatieren: Die behandelten Stoffe hatten fast ausnahmslos mit jener Wirklichkeit zu tun, die uns nicht nur in der Kunst, sondern auch im Leben umgibt. Sei es Detlev Glanerts «Jüdin von Toledo» (in Dresden), Hèctor Parras «Justice» (in Genf), Hans Thomallas «Dark Fall» (in Mannheim/Schwetzingen) oder der «Liebesgesang» von Georg Friedrich Haas in Bern – die Verknüpfung des individuellen Schicksals mit einer soziokulturellen Implikation war in allen Fällen spürbar. Wie sich Privates in Politisches ausdehnt, wie sich beides gegenseitig bedingt, das zeigte auf besonders raffinierte und musikdramaturgisch wirksame Weise die «Uraufführung des Jahres» – Bernhard Langs «Dora» auf ein Libretto von Frank Witzel an der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 36
von
Was Musik ist? Gute Frage. Nicht wenige Philosophen und Komponisten haben sie sich gestellt. Gabriel Fauré etwa tat dies, während er am zweiten Satz seines Quintetts feilte und nach jenem «unersetzbaren Punkt», nach der höchst unwirklichen Schimäre, suchte, die uns «über das, was ist» erhebt. Vladimir Jankélévitch nahm Faurés Introspektion zum Anlass, sich einmal...
Das letzte Wort hat Liù. Die kleine Sklavin mit dem großen Herzen. Die weiß, wie sich Liebe anfühlt, wie sie schmeckt, welchen Zauber, welchen Duft sie zu verströmen weiß. Und die den Unterschied kennt zwischen dem reinen Begehren und jenem höheren Gefühl, das sich nicht allein aus körperlichem Verlangen speist, sondern weit mehr aus der Idee von Philia und Agape –...
Es ereignete sich im Frühjahr 2024 auf der Strasbourger Opernbühne. Richard Wagners romantisches Wunder brach ein in die historisch-nationalistische Kulisse, die sich der Bühenbildner Romain Fabre ausgedacht hatte – in klarstem A-Dur, vor allem aber mit einer stimmlichen Verve, wie man sie an dieser Stelle nur selten vernehmen darf. Schon das «Nun sei bedankt, mein...
