Königsoper

Christophe Rousset legt eine glänzende Neuaufnahme von Lullys «Atys» vor

Opernwelt - Logo

Lully und sein Librettist Philippe Quinault haben die Tragédie en musique 1673 erfunden, um der klas -sischen Tragödie ihrer Zeitgenossen Corneille und Racine ein gesungenes Drama zur Seite zu stellen. 14 Werke dieser Gattung entstanden bis zu Lullys frühem Tod 1687. Keine war radikaler als «Atys», die den Titel «Königsoper» trägt, weil sie die besondere Wertschätzung Ludwigs XIV. fand.

In keiner anderen der stets von gleichermaßen brillanter wie fragiler Musik erfüllten Tragédies steht der rhetorische Vortrag des deklamierten Worts und damit das verwirrende, ja erschütternde menschliche Drama so im Vordergrund wie in diesem intimen, 1676 uraufgeführten Stück. Keine Nebenhandlung, keine Intrige lenkt von der schuldhaften, tödlich endenden Liebe Atys’ zur Nymphe Sangaride ab. Weil Atys die Liebe Cybèles verschmäht, schlägt ihn die eifersüchtige Göttin mit Wahnsinn. Er tötet Sangaride, dann, als er erkennt, was er getan hat, sich selbst. Cybèle verwandelt den Toten in einen Baum. Selbst die Divertissements an den Akt-Schlüssen mit ihren fantastischen Chören und farbenfrohen Tänzen sind in die Handlung eingebunden. Atys’ wunderbare, nur von Flöten und Violen begleitete Traumszene im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Gewaltakt

Von diesem Abend behält man vor allem den Raum in Erinnerung. Ralf Käselau hat, mit einfachsten Mitteln, aber szenisch wirkungsvoll, bei offenem Vorhang eine Art Zirkusarena auf die Bühne gebaut und sie, leicht versetzt, über den hochgefahrenen Graben bis in den Zuschauerraum vorgezogen. Das kleine Orchester sitzt abseits links an der Wand, der Dirigent steht mit...

Der Wind weht, wo er will

Als im Februar 2022 – als Resultat einer halbhundertjährigen editorischen Herkulesarbeit – der letzte Band der Kritischen Ausgabe «Sämtlicher Werke» Hugo von Hofmannsthals erschien, war eine der größten bibliografischen Lücken in der Wunderkammer der Weltliteratur geschlossen und ein Œuvre erfasst, welches in seiner stilistischen, semiotischen und literarischen...

Editorial Mai 2024

Unermüdlich wirkt der Geist, der forscht. 92 Jahre alt ist Alexander Kluge, einer der maßgeblichen Intellektuellen dieses Landes, im Februar geworden und nach wie vor mit einer Wachheit gesegnet, die sich viele jüngere (und wokere) Teilnehmer an gesellschaftspolitisch-künstlerischen Diskursen vermutlich wünschen würden. Jüngster Beleg ist ein gemeinsam mit Sonja...