Und das Lied verstummt nicht
Die Musik Lateinamerikas ist seit der Ankunft der europäischen Eroberer ein Schmelztiegel unterschiedlichster Einflüsse. Der postkoloniale Diskurs versteht Kulturtransfer dabei überwiegend als «kulturelle Aneignung». Diese Kritik an als dominant bezeichneten Kulturen, die sich kulturelle Errungenschaften von Minderheiten aneignen, verweist auf den unbestreitbaren Gewaltzusammenhang von Eroberungen. Dass die Geschichte ungleich komplexer ist, lehrt Lothar Krafts Buch «Lasst nicht zu, dass unser Lied verstummt», das voll ist mit verblüffenden Zusammenhängen.
Kraft spürt den Verbindungen von europäischer Musik mit den vorgefundenen Traditionen in Lateinamerika nach und zählt zahllose Beispiele hybrider Musikkultur auf, die sogenannte «musica mestiza», verkörpert etwa durch den 1945 geborenen Kolumbianer Francisco Zumaque. Sein Werk reicht vom klassisch inspirierten Streichquartett bis hin zu «Colombia Caribe», der Nationalhymne für die kolumbianische Fußballnationalmannschaft.
Das umfassendste Kapitel («Musik und Gesellschaft in Brasilien») schildert, wie im Jahr 1500 die Portugiesen das Land betraten und in Porto Seguro gleich eine erste Messe feierten. Anwesend waren 1200 Europäer ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Regine Müller
Pique Dame beeindruckt mich nicht, zu diesem Sujet würde ich nur Minderwertiges schreiben können.» So Peter Iljitsch Tschaikowsky 1888 in einem Brief. Zwei Jahre später hatte er es sich anders überlegt und seine dritte Puschkin-Oper – nach «Eugen Onegin» und «Mazeppa» – binnen eines guten Monats aufs Papier geworfen. Ein wenig zu schnell. Neben den späten...
Fünf Grad, Regen, Wind: Wir wissen nicht, wie viele Demonstranten sich bei anderem Wetter eingefunden hätten. So bleibt es bei einem halben Dutzend in der Hofstallgasse, das der vorbeihastenden Gala-Gemeinde ein «Netrebko, no stage!» entgegenruft. Vielleicht ist es auch ein Symptom. Auftritte der Diva sind, zumindest im südlicheren Europa, inzwischen fast...
Am Ende kratzte man sich den Kopf. Sicher, das kann bei Uraufführungen schon mal vorkommen. Aber es ist doch eine Seltenheit, dass immer auch das Gegenteil dessen zumindest nicht ganz falsch ist, was man zugunsten einer Aufführung sagen oder als Kritik an ihr einwenden möchte. Dieser Abend war gute drei Stunden lang lähmend und erfrischend, locker und verkrampft,...
