Ein Touch Robert Wilson

Erfurt, Wagner: Tannhäuser

Abgesprochen hatten sich die Opernhäuser zwischen Hannover, Frankfurt, Erfurt, Amsterdam und Kiel nicht, innerhalb weniger Wochen Wagners «Tannhäuser» auf die Bühne zu bringen. Doch es gibt einen Anlass, der beflügelnd gewirkt haben könnte. Der achthundertste Geburtstag der Heiligen Elisabeth, die im Jahre 1211 an den thüringischen Hof kam, dort mit Landgraf Ludwig IV. vermählt wurde und als Adlige ein aufopferndes Leben im Dienst der Armen und Kranken führte. Erfurts Intendant Guy Montavon sah sich wohl der nahen Wartburg verpflichtet und griff dieses Thema ganz direkt auf.

Seine Elisabeth legt neben jedes Schuhpaar, das die Pilger zurückgelassen hatten, als sie nach Rom zogen, ein trockenes Brötchen.
Einmal mehr vertraut Regisseur Guy Montavon der Überzeugungskraft von Bildern. Einmal mehr vergisst er dabei die Sänger, die Menschen. Charaktererzeichnungen, Gefühlsausbrüche oder gar Leidenschaften wirken in seiner Inszenierung schlichtweg ausgeblendet. Alles bleibt statisch mit leichtem Robert-Wilson-Touch, ohne dessen ästhetische Suggestion zu erreichen. Nur eine Venus-Planetenkugel dreht als nachtblaue 3D-Anima­tion symbolträchtig ihre Runden. Die Göttin selbst, in einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2007
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Ullrich Bohn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Kluger Klangrausch

In Riga hatten es die Werke des eins­tigen Kapellmeis­ters Richard Wagner (er amtierte am längst zerstörten Stadttheater) nicht gerade leicht – der letzte zyklische «Ring» liegt gut hundert Jahre zurück. In den Spielplänen der vergangenen Jahrzehnte taucht der Name Wagner nur spärlich auf. Und wenn es doch mal einen «Hol­länder» oder «Lohengrin» gab, so im...

Illusionismus, nein danke

Dass das Liebesleben des nicht nur vor Liebe trunkenen Dichters Hoffmann viele Irrungen und Wirrungen kennt, das wissen wir aus Jacques Offenbachs Oper «Les Contes d’Hoffmann». Schließlich verguckt sich der Titelheld in eine aufziehbare Puppe, in eine (un)bezahlbare Kurtisane und in eine Sängerin, die sich nicht entscheiden kann zwischen ihrer Liebe zum Mann und...

Leidensgeschichten

Charpentiers «Louise», anno 1900 an der Pariser Opéra-comique uraufgeführt und in den folgenden Jahrzehnten rund tausendmal auf dem Spielplan des Theaters, konnte ihren Erfolg, wie manch andere Werke, nicht auf Dauer konservieren. Selbst in Frankreich hielt sich die Zahl der Neuinszenierungen in Grenzen, allerdings wuchs in der jüngeren Vergangenheit das Interesse...