Monster und Genie
Beschaut man das Cover dieses Buches, man könnte das Fürchten lernen. Der Titel «Genie oder Monster» lässt an einen Psychothriller denken, und das Bild dazu, auf dem zwei Frauen in bester Munch-Manier einen Hilfeschrei auszustoßen scheinen und sich dabei die Ohren zuhalten, wirkt auch nicht eben vertrauenserweckend. Sachlicher, konziser, kla -rer wird es im Untertitel: «Von der Schwierigkeit, Künstler und Werk zu trennen».
Und genau darum geht es Claire Dederer auch in ihrer Studie – um eine Aufklärung darüber, wie ein ethischer und ein ästhetischer Imperativ zusammenpassen könnten, ob also der Sinn für Moral imstande wäre, mit der Liebe zur Kunst eine Liaison einzugehen, ohne das eine gegen das andere auszuspielen. Und ob man ein Kunstwerk lieben kann, das von einem Menschen geschaffen wurde, mit dem man, vorsichtig gesagt, negative (Lebens-)Erfahrungen verbindet.
Die Liste derer, die unter dieses Rubrum fallen, ist lang. Sie reicht von Pablo Picasso bis zu Roman Polański, sie schließt Woody Allen ebenso ein wie Norman Mailer sowie die bekennenden Antisemiten Ezra Pound, Virginia Woolf und natürlich Richard Wagner. All diese Künstlerinnen und Künstler, konzediert die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2024
Rubrik: Medien, Seite 30
von Jan Verheyen
Das Vorwort ist ein Gedicht. Kraftvoll, wortmächtig, poetisch aufgeladen. Geschrieben hat es ein Mitstreiter aus guten, alten Zeiten, der (hochbegabte) Schauspieler und (nicht ganz so begabte) Regisseur Sven-Eric Bechtolf. Und mag er Jürgen Flimm, diesem großen, am 4. Februar 2023 verstorbenen (Musik-)Theatermann, auch einen schmucken Lorbeerkranz ums Haupt winden,...
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Diesem allerdings schon. Ein kalter, sonnendurchfluteter Winternachmittag am Rande des Bebelplatzes in Berlins Mitte. Im Rücken die Staatsoper, vor uns das Hotel de Rome, in das Katharina Kammerloher aber nicht gehen möchte, weil es ihr doch einen Hauch zu mondän ist. Ein erstes offenherziges Lächeln, dazu ein...
Es ist nicht leicht, ein Zar zu sein. Vor allem dann nicht, wenn das eigene Volk in einem ziemlich heruntergekommenen Betonschacht mit Kronleuchter lebt. Das mit nahezu identischen blonden Scheitelfrisuren ausgestattete Kollektiv, vom neuen Chordirektor des Nationaltheaters Mannheim, Alistair Lilley, hervorragend einstudiert, lässt sich leicht manipulieren und...
