Im Abendrot
Mag sein, dass Karl Gottlieb Lappe schon vor mehr als zweihundert Jahren das erlebte, was inzwischen als «Nahtoderfahrung» auch die Wissenschaft zunehmend beschäftigt. Der Schöpfer jenes Gedichts «Im Abendrot», das in Schuberts Vertonung so weithin berührt, endet mit der Zeile, «... und dies Herz, eh es zusammenbricht, trinkt noch Glut und schlürft noch Licht». Wobei ein glutvolles, allumfassendes Licht als unverzichtbarer Bestandteil solcher Erfahrungen oft erwähnt wird.
Indes mag freilich die Bemerkung, das Herz schlürfe dies noch, eh’ es zusammenbricht, auf die materialistische – ergo naturwissenschaftlich auch heute noch übliche – Haltung verweisen, derartige Äußerungen eines vermeintlich immateriellen Bewusstseins seien letztlich doch dem materiell lebenswichtigen Hohlmuskel (und den von ihm abhängigen Gehirnströmen) zuzuschreiben.
Wie dem auch sei: Anna Lucia Richter und ihr multi-instrumentaler Begleiter Ammiel Bushakevitz stellen diesen Satz aus «Abendrot» als Motto über ihr neues Konzeptalbum, das sie kurz und prägnant «Licht» nennen. Indes geben sie sich natürlich nicht mit dem elektromagnetischen Grundspektrum zufrieden, sondern spielen mit der physikalischen und ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Gerhard Persché
Die gute Nachricht zuerst: Jochanaan darf seinen klugen Kopf behalten. Der Henker verschont ihn, vermutlich weil er im Urlaub ist, und die königliche Familie scheitert bei dem ohnehin auch nur halbherzigen Versuch, den Propheten zu enthaupten. Salome scheint ein gewisses Mitgefühl für den religiösen Mann zu haben, der ihr trotz mehrmaliger Bitten den Wunsch...
Herr Gerhaher, der Bühnenverein hat vor einiger Zeit mitgeteilt, dass Theater und Konzertsäle über 80 Prozent Auslastung melden, manche Häuser sprechen sogar von weit über 90 Prozent. Ist die Krise ist überwunden?
So etwas hört man. Die Frage ist nur, wie belastbar diese Zahlen sind. Es könnte ja auch bedeuten, dass viele kommen – aber manche nicht zahlen müssen....
Ob obiges Bildnis wirklich bezaubernd schön ist, darüber ließe sich ausgiebig debattieren, zumal sich der Geschmack über die Zeiten hin doch stark geändert hat. Was aber unzweifelhaft ist: Der Mann, den wir dort sehen, war einer der mächtigsten Absolutisten Europas und hält zudem mit einer Amtszeit von satten 72 Jahren den Herrscher-Rekord. Von 1643, da war er...
