Weiche, Wotan, weiche!
Die Rezeptionswege des Wagner’schen Œuvres sind verschlungen. Und führen zuweilen sogar in die Welt der Trivialkultur. Das bunte, manchmal schrille Universum der im Marvel-Verlag beheimateten Superhelden-Comics verdankt den durch Wagner gewandelten Mythen einiges. «Die fantastischen Vier», «Iron Man», ganz zu schweigen von dem auf den Donnergott zurückgehenden «Thor» – es ist, als seien die Heldensagen Wagners, seine Vision von der Welt, die der Erlösung harrt, in dieses schillernd gezeichnete Reich der unterhaltsamen, bisweilen laut orchestrierten Alltagskultur entglitten.
Und es scheint an der Zeit, Wagner und vor allem sein Konzept von Glanz und Elend, vom scheiternden Triumph des Heldischen selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung im Medium der so genannten Graphic Novels zu machen.
Der auf Opernadaptionen spezialisierte amerikanische Comiczeichner P. Craig Russell ist da der richtige Mann. Früher hat auch er für den Marvel-Verlag gearbeitet und Neil Gaimans nachtschattigen, der schwarzen Romantik entsprungenen «Sandman» fortgezeichnet – in dieser Serie hallt noch Wagners Lieblingsdichter E.T.A. Hoffmann nach. Nun hat sich Russell Wagners «Ring» vorgenommen. Er hält sich ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 38
von Bernd Künzig
Als im August 1876 die Festspiele in Bayreuth mit Richard Wagners «Ring» eröffnet wurden, war das Echo in den Medien gewaltig. Allein aus Deutschland reisten über 60 Rezensenten in die fränkische Provinz, die New York Times schmückte ihre Titelseite mit Artikeln über Bayreuth, alle wichtigen Blätter der europäischen Metropolen berichteten ausführlich. Ob zustimmend...
Opern als akustisches Theater, als «theatre of the mind», wie es einst die Schallplatten-Produzenten Walter Legge und John Culshaw (von dem das Zitat stammt) verwirklichten, gehören schon lange der Vergangenheit an, weil sie nicht mehr finanzierbar sind. Dass Warner sich jetzt den Luxus leistete, Giacomo Puccinis «Turandot» im Februar 2022 an neun Tagen in Rom vor...
Der in Rouen ansässige Kammerchor Accentus und sein Dirigent Christophe Grapperon rücken mit dieser faszinierenden Aufnahme schiefe Perspektiven zurecht. Wie in Deutschland die Symphonik, so gilt im Frankreich des 19. Jahrhunderts die Oper als zentrale Gattung der Musik. In Wirklichkeit war diese Zeit in beiden Ländern schlechthin das Jahrhundert der Chormusik. Das...
