Vom Geist beherrschte Magie

Buch des Monats: Jörn Peter Hiekel nähert sich dem Werk von Helmut Lachenmann mit hermeneutischer und musikästhetischer Präzision

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Wie gefährlich es sein kann, sich in Form einer Biografie einem lebenden Komponisten anzunähern, der selbst mit unzähligen Schriften sein Œuvre sowie die ihm zugrundeliegenden ästhetischen Imperative wort- und gedankenreich zu «erklären» wusste, hat zuletzt der Fall Wolfgang Rihm gezeigt.

Beide Versuche, ihm und seinem Schaffen gerecht zu werden, scheiterten, so ehrenwert sie anmuteten, letztlich doch relativ kläglich: zu gering war hier wie dort die Distanz zum bewunderten Gegenstand, zu flapsig (oder zu anmaßend) der Ton, zu groß die Lust am heiteren oder polemischen Fabulieren, an der Sottise. 

Jörn Peter Hiekel wählt für sein Buch «Helmut Lachenmann und seine Zeit» einen anderen, klügeren Weg. Er versucht erst gar nicht, dem Komponisten auf die (biografische) Schliche zu kommen und sein Schaffen in eine Lebenserzählung einzubinden, sondern wirft seinen (hermeneutisch geschulten) Blick mit kleinen Ausnahmen auf das Werk selbst, auf seine ästhetischen, musikalischen, historischen Bezüge und Kontexte. Zwar macht Hiekel aus seiner Begeisterung für Lachenmanns Kompositionen dabei keinen Hehl. Doch er begründet sie rein fachlich, mit der gebotenen Distanz des Musikologen, der ein ...

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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Jürgen Otten

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