Mediterrane Impulse

Die Griechische Nationaloper strebt mit Macht, einer klugen Mischung aus Kernrepertoire und modernen Formaten sowie dem Geist von Maria Callas an die internationale Spitze

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Wenn jetzt ein Erdbeben käme, man wäre an einem sicheren Ort im dichtbesiedeltsten Ballungsraum Griechenlands. Das Kulturzentrum der Stavros-Niarchos-Stiftung ist mit Isolatoren vom periodisch zitternden Untergrund getrennt. Auch an sanftere Formen der Nachhaltigkeit hat der italienische Stararchitekt Renzo Piano gedacht: Im mehr als zwanzig Hektar großen Park werden die Olivenbäume und mediterranen Kräuter mit Regenwasser bewässert, für den Strom sorgt über das Solardach die griechische Sonne.

 

Aber drinnen in der Griechischen Nationaloper regnet es erstmal, zu Beginn von Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg». Das Bühnenbild von Leslie Travers sieht aus wie eine gigantische schwarze Welle, die schon einiges mit sich gerissen hat, Betten, Türen, Schminktische. Blaubart und seiner neuen Frau Judith bleibt darin nur ein kleines bürgerliches Zimmer, bevor auch sie die Psychodynamik hinaustreibt auf die Welle. Das Verschwinden des Zimmers hinterlässt ein schwarzes Loch – die Gruft für Blaubarts frühere Frauen von jedem Alter und Aussehen. Ein Greis und ein marschierendes Kind könnten sein Vater und sein Sohn sein, aber auch Alter Egos. Der griechische Regisseur Themelis Glynatsis ...

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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: Reportage, Seite 40
von Michael Stallknecht

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