Liebe in Zeiten des Phlegmas

Hannover, Monteverdi: L’Orfeo

Opernwelt - Logo

Das Bild ist ein bekanntes, nicht nur, weil Edward Hopper es in verschiedenen Varianten gemalt hat. Einsam dort ein Mann, nächtens, in irgendeiner Bar irgendwo, den Kopf schwermütig auf den blankgewienerten Tresen gelehnt, niemand mehr ist da außer ihm und dem Wirt. Ein Gestrandeter, am Leben Verzweifelter, ein Mann, der die Welt nicht mehr versteht. Doch da ist ein feiner Unterschied. Denn dieser Mann hat eine Stimme: eine mächtige Stimme. Vielleicht die schönste Stimme, die jemals sich in diese Demimonde-Atmosphäre (Bühne: Anne Neuser) verirrte.

Orpheus heißt ihr Inhaber, jener mystischer Sänger, der alles und alle zu bezwingen vermochte.
In der Inszenierung des belgischen Regisseurs Ingo Kerkhof, die, nachdem sie in der vergangenen Saison in Linz auf die Bretter gelangte, nun renoviert an der Staatsoper Hannover präsentiert wird, hat sich der Künstler, der er auch hier noch ist in der fesselnden Darstellung des Baritons Lauri Vasar, gleichwohl ohne seine legendenumwobene Lyra ins Halbdunkel der Normalität verirrt. Und nicht der Fährmann der Unterwelt, Caronte, steht ihm, nachdem die Feiergemeinde zu Bett gegangen, gegenüber (und fällt seinen Lyrismen schließlich gerührt zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2007
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Harvey: Wagner Dream

Was ging Wagner wohl durch den Kopf, als er starb? Vielleicht seine unvollendete Buddhisten-Oper «Die Sieger», die er siebenundzwanzig Jahre zuvor aufgegeben hatte. Das ist der Ausgangspunkt von «Wagner Dream» – ein Stück, das nach der Luxemburger Uraufführung im Rahmen des Holland Festivals in Amsterdam auf reges Publikumsinteresse stieß. Jonathan Harveys neue...

Universell verwertbar

Bevor das Musical seinen kommerziellen Siegeszug antrat, war die beliebteste und einträglichste Form des Musiktheaters zweifellos die Operette. Freilich lockte das Genre – was gern übersehen wird – nicht bloß an der schönen blauen Donau. Während die Österreicher der k. u. k.-Monarchie ihre Sträu­ße feierten und Paris sich über den beißenden Witz des deutschen...

Kaninchen vor Schlange

Im Programmbuch die geballte philosophische und philologische Kompetenz. Natürlich ein Stück des klugen Herrn Niccolò Machiavelli, aus seiner Hauptschrift «Il Principe»: von der Grausamkeit und der Milde und ob es besser sei, geliebt als gefürchtet zu werden. Damit ist das zentrale Thema der Oper bezeichnet. Dann Elias Canetti, Teile aus dem Kapitel «Die Macht der...