Vom Ende der Zeit
Am Sommerhimmel über Perm ist von Zeit zu Zeit ein ohrenbetäubendes Geräusch zu hören – verursacht durch die Trainingsflüge der Jagdbomber von der nahegelegenen Militärbasis. Beim diesjährigen Diaghilew-Festival haben diese Flüge einen anderen Klang, und auch die schwarze Farbe der T-Shirts der freiwilligen Helfer und der Andenkenkarten hat eine völlig andere Bedeutung.
Teodor Currentzis verwandelt Perm weiterhin in eine Musikhauptstadt, obwohl er vor drei Jahren den Standort des Chors und Orchesters musicAeterna nach St. Petersburg verlegt hat.
Die Gäste verschwinden optisch nicht unter den Einwohnern der Provinzstadt, sondern verleihen ihr im Gegenteil einen Hauch von Extravaganz. Und das örtliche Publikum kommt zuhauf zu jedem beliebigen Konzert, unabhängig davon, ob eine Suite von Telemann und Bach mit authentischen Instrumenten auf dem Programm steht oder eine Performance in der «heulenden» Sprache der Maori, die im Programmheft eine «extreme Vokaltechnik» genannt wird.
Ein grandioses Ereignis war die Aufführung von Carl Orffs Mysterienoper «De temporum fine comoedia», die Currentzis und seine Regisseurin Anna Guseva betont allegorisch interpretieren: Im Programmheft fehlt ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Konstantin Nikischin
Nichts Neues im Süden Englands? Von wegen! Das Garsington Opera Festival wartete in diesem Jahr mit einigen Novitäten auf. Bislang hatte es dort lediglich späte Opern von Händel und Vivaldi gegeben; nun blickte man ein Jahrhundert weiter zurück und präsentierte Anfang Juni Claudio Monteverdis favola in musica «Orfeo» von 1607. Dabei profitierten die Festivalmacher...
Es schwinden jedes Kummers Falten, / solang des Liedes Zauber walten»: Auch Friedrich Schiller muss in Stammbuchstimmung gewesen sein, als ihm dieser Reim einfiel. Ob sich sein jüngerer Zeitgenosse Ludwig van Beethoven davon bezaubern ließ, wissen wir nicht. Wohl aber, dass sich Beethovens Lied-Œuvre von nicht ganz einhundert Kunstliedern und ebenso vielen...
Mit dem Zölibat hat Pater Grandier keine Probleme, er nimmt es gar nicht erst ernst. Schließlich gibt es da die wohlhabende Witwe, die nicht nur geistlichen Trostes bedarf oder die junge Philippe, die er schwängert und hernach – so bleibt es Brauch in der katholischen Kirche – verstößt. Nur mit einem hat er nicht gerechnet: dass er auch die unterdrückten Begierden...
