Weiter, immer weiter
Das Statement ist klar und kommt ohne Umschweife: «Was mich an der Arbeit auf der Bühne interessiert: Ich will selbst glauben an die Beziehungen der Figuren untereinander», sagt Cornelia Beskow gleich zu Beginn des Gesprächs. Und die gemeinsame Suche aller nach diesem Beziehungsgeflecht ist ihr wichtig: «Wenn meine Kollegen diese Mission teilen, können wir zusammen eine gute und glaubhafte Geschichte erzählen – und nur darum geht es letztlich.
»
Wie also schafft es Jenůfa, ihrer Pflegemutter den Mord an ihrem Baby und ihrem späteren Bräutigam Laca die Verunstaltung ihres Gesichtes zu verzeihen? Warum bleibt Senta dem ersehnten Holländer gegenüber so misstrauisch? Welche Dynamik entwickelt sich zwischen Tatjana und Onegin? Warum bloß will Donna Elvira ihren Don Giovanni nicht loslassen? Erst, wenn während der Probenarbeit auf derlei Fragen eine authentische Antwort gefunden ist, fühlt sie sich sicher, eine überzeugende Vorstellung geben zu können. So wie mit Julia Bullock zum Beispiel als Küsterin in der Osloer «Jenůfa» (OW 05/2022). Oder mit Nina Stemme, deren Brünnhilde ihre Sieglinde in Wagners «Walküre» davon abhielt, Selbstmord zu begehen.
Dass sie ihren Beruf zuerst vom ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Stephan Knies
In Moskau, wo Kriegszensur herrscht und es so gut wie unmöglich ist, glaubwürdige Nachrichten über den Krieg in der Ukraine zu erhalten, gilt es derzeit als gefährlich, ein nur «sehr gut gemachtes» Stück zu zeigen. Denn das Publikum will die reine Wahrheit sehen, und sei sie noch so grausam. Die Inszenierung von Korngolds Oper «Die tote Stadt» durch Vassily...
Wagners «Tristan und Isolde» sagt man eine weitestgehende Handlungslosigkeit nach. Alles Äußere sei in diesem Werk nach Innen gekehrt: innere Vorgänge, Liebesschmerz, Liebestrunkenheit, Gekränktheit. Alles nur im Kopf. Und im Herzen.
Das Regie-Duo Alexandra Szemerédy, und Magdolna Parditka hat in seiner Lesweise jetzt in Saarbrücken einmal alles auf den Kopf...
Die Oper hält, was der Titel verspricht. «Lieder von Vertreibung und Nimmerwiederkehr». Damit beginnt die Münchner Musiktheaterbiennale, Bernhard Gander hat die Musik dafür geschrieben, Serhij Zhadan, geboren im gerade vom Krieg verwüsteten Luhansk, den Text. Natürlich entstand das Werk weit vor dem Beginn von Putins Irrsinn, aber was einem nun mit harschen,...
