Ein bisschen Hoffnung

Peter Konwitschny sucht in Dresden nach der Liebestauglichkeit von Bellinis «Norma», Gaetano d’Espinosa begleitet ihn dabei mit leichter Dirigierhand

An den Ufern der Loire, nachts um halb eins. Als habe ihnen jemand etwas in den Tee getan, irren gallische Frauen und Männer, sämtlich blondbezopft (sind sie gar dem Comic «Asterix und Obelix» entwichen?), in wallenden grünen Gewändern durch den dunklen Zauberwald, hauen einander mit krummen Stöcken aus Holz nach Barbarenart in die Rippen. Es dauert eine Weile, bis es den verrückten Wilden dämmert, dass es keine besonders gute Idee ist, den Liebsten oder die Liebste zu vermöbeln, wo doch der Feind nicht in den eigenen Reihen zu suchen ist.

So langsam geht ihnen allen ein Lichtlein auf: Die römischen Besatzer sind es, gegen die ganz Gallien aufbegehren muss. Nur gibt es da ein kleines Problem: Ohne Norma geht gar nichts. Bevor die Oberpriesterin nicht drei Mal das Schild Irminsuls angeschlagen hat,  kann und darf der Aufstand nicht beginnen.

Entsprechend groß ist die Hoffnung, als die Seherin wenig später im bordeauxroten Samtkleid in einem Bastkorb-Ballon aus den Kronen der Mistelbäume herabschwebt, ihre Novizin Adalgisa (die warmgrünes Samt trägt) im Gefolge, und die geheiligten Zweige unter dem Volk verteilt. Doch, ach, vergebens ist alles martialische Sehnen. Nicht dem ...

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Opernwelt November 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten

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