Wenn die Masken fallen

Angenommen, eine normale Saison wäre das gewesen, wobei: Was heißt das schon? Und trotzdem, ohne das C-Wort, ohne Politikerinnen und Politiker, denen Fußball und Friseure näher liegen als die Kultur, verpanzert im Schwarz-Weiß-Denken zwischen Zusperren und Totalerlaubnis, ohne dies alles hätten es folgende Ereignisse auch nach oben in die «OW»-Umfrage geschafft. Ein Münchner «Tristan», gedeutet von Kirill Petrenko am Pult des Bayerischen Staatsorchesters, der (wenn auch anders) an selige Carlos-Kleiber-Zeiten anknüpfte.

Eine Salzburger «Così fan tutte», die ohne  Prämissenschweiß von reinster, vielsagender, bestürzender Humanität kündete. Die Wiener Philharmoniker, denen mit ihrer «Elektra» unter Franz Welser-Möst ein Ideal-Strauss der kanalisierten, detailbewussten Kulinarik glückte. Und ein Jung-Bariton, Konstantin Krimmel, der auf dem Weg ist zur Weltkarriere.

Dass Covid-Schließungen zur Bildsprachlosigkeit zwangen, wurde während des Lockdowns widerlegt. Wobei einigen Intendantinnen und Intendanten nur langsam dämmerte, dass abgefilmtes Theater nicht mal als Ersatzlösung funktionieren kann. Gerade Promi-Häuser, so sie aus Frust oder Kreativitätsarmut nicht gleich ganz ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 133
von Markus Thiel («Münchner Merkur», München)

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Wichtige Sänger und Sängerinnen der Saison

Der unbeugsame Wille zur Macht wird ihm zum Verhängnis. Schon bei Shakespeare. Und ebenso in Giuseppe Verdis Vertonung, einem der dunkelsten Stücke aus der Feder des italianischen Komponisten. Macbeth wird letzlich Opfer seiner (Macht-)Fantasien. Wenn man Luca Salsi an der Wiener Staatsoper erlebt hat, weiß man, wie nahe er dem Irrsinn dabei kommt. Salsi  entpuppt...

Es ist möglich!

Der Kölner Opernskandal wurde in der Pandemie zum Glücksfall. Weil die Renovierung der Oper im Tempo des Berliner Flughafenbaus verläuft, spielt das Musiktheater weiter in der Ausweichspielstätte, dem Staatenhaus. Dort gibt es genug Platz, um trotz Abstandsgeboten ein romantisch besetztes Orchester in voller Stärke spielen zu lassen. So konnte die Kölner Oper...

Alles auf Anfang?

Beginnen wir mit einem Zitat von Carolin Emcke, aus deren Pandemie-Tagebuch: «Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nicht-fiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen...