Verpasste Chancen

Laut Michael Spitzer, Autor des vielbeachteten Buches «The Musical Human», das im vergangenen April erschienen ist, geht die Geburt des Rhythmus 165 Millionen Jahre zurück; vor 66 Millionen Jahren erschien die erste Melodie, und 40.000 Jahre sind vergangen, seit der Homo sapiens das erste Musikinstrument gebaut hat.

Es ist also nicht verwunderlich, wenn uns ein Gefühl der Leere und Fassungslosigkeit durch die Zeit des langen Schweigens begleitet hat, das den Opernhäusern und Konzertsälen rund um den Planeten auferlegt wurde: Musik ist grundlegend für die meisten menschlichen Aktivitäten, die mit Wissen, Gefühlen, aber auch mit biologischen Prozessen zu tun haben.

Es ist wirklich kompliziert, eine Bilanz einer gequälten Opernsaison wie der gerade zu Ende gegangenen zu ziehen. Nachdem die Saison fast normal begonnen hatte, wurde sie für viele Monate unterbrochen, bis im späten Frühjahr die Aktivität wieder mehr oder weniger normal einsetzte, wenn auch nur für ein paar Wochen. Die gute Nachricht ist, dass viele Neuproduktionen und einige Uraufführungen, die ein Jahr lang in der Schublade gelegen hatten, endlich zu sehen waren. Unter letzteren muss ein besonderer Platz «Innocence» ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 118
von Stefano Nardelli («Il giornale della musica», Frankfurt, Venedig)

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Enttäuschungen

Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.

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Starke Signale

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