Bequem geht immer
Kulturpolitik wurde in Zeiten von Corona gern und viel gescholten. Oft auch pauschal. Doch genaues Hinschauen lohnt sich. Die Palette reicht von glänzend bis dilettantisch. Zwei Extrembeispiele: Dresden und Köln. In Sachsen lässt Kulturministerin Barbara Klepsch den Vertrag von Christian Thielemann als Musikchef der Staatskapelle Dresden auslaufen. Auch Peter Theiler, Intendant der Semperoper, wird 2024 gehen müssen. Die Vision einer Oper der Zukunft lässt sich mit beiden, dann ohnehin im Rentenalter befindlichen, Herren kaum umsetzen, lautet der keineswegs überraschende Befund.
Dass daraus Konsequenzen gezogen werden, ist trotzdem ein Coup. Mag bezüglich «Semper 2030» noch manches nebulös sein und die Hoffnung auf avancierte Digitalformate und neue Publikumsschichten vage: Der Diskurs ist mit einem Paukenschlag eröffnet. Und die selbstbewusste Staatskapelle, die gerne auf ihre Tradition verweist, ist eingeladen, an diesem Zukunftsprozess aktiv mitzuwirken. Viele wurden verblüfft, aber niemand beschädigt. Auch Thielemann nicht: Er freut sich auf neue Freiheiten und lässt verlauten, der Eitelkeit von Maestri sei mit Gastspielen viel mehr gedient. Dem Konto ohnehin, ließe sich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 116
von Stephan Mösch (Karlsruhe)
Sie konnten nur selten miteinander, vor allem aber nicht ohne einander. Seitdem es die Gattung Oper gibt, suchten Komponisten (gerne auch mal verzweifelt) nach Librettisten, die geeignet waren, ihre (also: der Komponisten) Visionen mit Text gleichsam zu «unterfüttern», zu beleben, zu erleuchten. So manches Genie war darunter, man denke nur an den großen Metastasio...
Die Bühne war ihm schon als Kind Sehnsuchtsort. Dort wollte er hin und den lieben langen Tag im Grunde nur eines tun: spielen, spielen, spielen. So war es fast zwangsläufig, dass Jürgen Flimm, geboren in Gießen, aufgewachsen in Köln, früh begabt auch als Autor, zum Theater kam, wo er sich als Regisseur, zunächst im Schauspiel, einen großen Namen machte, vor allem...
Es war eine Theaterspielzeit, in der es viel Theater ums Theater gab, bei dem es zuerst um die Relevanz von Kultur ging, die in dem von der Politik verlautbarten Ranking zum Entsetzen des ganzen Betriebs irgendwo weit hinten kurz vor den Bordellen rangierte. Unter künstlerischen Aspekten ist diese Spielzeit kaum zu werten, weil die längste Zeit nur digitale...
