Es ist möglich!

Der Kölner Opernskandal wurde in der Pandemie zum Glücksfall. Weil die Renovierung der Oper im Tempo des Berliner Flughafenbaus verläuft, spielt das Musiktheater weiter in der Ausweichspielstätte, dem Staatenhaus. Dort gibt es genug Platz, um trotz Abstandsgeboten ein romantisch besetztes Orchester in voller Stärke spielen zu lassen. So konnte die Kölner Oper punkten – virtuell mit ausgezeichneten Streams und schließlich sogar wieder vor Publikum. Umso seltsamer scheint es, dass der Vertrag der Intendantin Birgit Meyer aus undurchsichtigen Gründen nicht verlängert wurde.

Wenn Kungeln, Mauscheln und Intrigieren olympische Disziplinen wären, hätten die Kölner Stadtoberen große Medaillenchancen.

Opern funktionieren gut als Filmaufzeichnungen. Sonst gäbe es nicht so viele DVDs und Blu-Rays auf dem Markt. Das war während der Pandemie ein Vorteil, zumal die kostenlose Plattform operavision.eu sich als Fundgrube für Raritäten und interessante Projekte erwies. Die Musiktheater zeigten sich in digitalen Formaten zum Teil deutlich flexibler und moderner als manches Schauspiel, das sonst stolz auf seine Zeitnähe ist.

Kürzere Onlineformate wurden ausprobiert. Das Musiktheater im Revier ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 108
von Stefan Keim («WDR», «Deutschlandfunk», Wetter)

Weitere Beiträge
Verpasste Chancen

Laut Michael Spitzer, Autor des vielbeachteten Buches «The Musical Human», das im vergangenen April erschienen ist, geht die Geburt des Rhythmus 165 Millionen Jahre zurück; vor 66 Millionen Jahren erschien die erste Melodie, und 40.000 Jahre sind vergangen, seit der Homo sapiens das erste Musikinstrument gebaut hat. Es ist also nicht verwunderlich, wenn uns ein...

Stunde der Wahrheit

Taugt die Krise als Pflicht und Chance, es alsbald anders zu machen? Drei Beispiele des Gelingens in einer nur scheinbar gescheiterten Spielzeit: Mit Händels «Tolomeo» transzendiert Regisseur Anthony Pilavachi das Artifizielle barocker Operngestik und das derzeitige Distanzgebot am Theater Lübeck, zu Saisonbeginn noch mit echtem Publikum im Saal, zu berührendem...

Es bleibt alles anders

Wie es war, ist es nicht mehr. Die Corona-Pandemie, der größte gesellschaftliche Einbruch seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, hat naturgemäß auch die Theater- und Musikszene radikal verändert. Die Frage nach der Kunst wird zur Frage nach dem Leben. Seit dem März 2020 schlagen sich die Institutionen, aber auch jeder Einzelne mit den Antworten herum. Ob digitale...