Schmerzensreich schön
Drei Frauen. Vereint im Leiden an der Welt, an der Liebe, an den Männern. Sämtlich suchen sie ihr Seelenheil im sehnenden, flehenden Gebet, für das Giuseppe Verdi und Pietro Mascagni ihnen die ergreifendste Musik auf die Stimmbänder geschrieben haben; eine Musik, die in dünner Höhenluft schwelgt und schwelt, und das, wenn man so will, chromatisch ansteigend.
Verdis Desdemona schwingt sich in ihrem «Ave Maria» hinauf bis zum zweigestrichenen as, Mascagnis Santuzza schwebt in ihrer bebenden, zwischen Moll und Dur changierenden Romanze aus «Cavalleria rusticana» einen Hauch höher noch zum a, Leonora strebt, um göttlichen Frieden zu erbitten, im B-Dur-Lamento aus dem vierten Akt von «La forza del destino» sogar bis zum b.
Nun sind Spitzentöne beileibe nicht alles. Aber sie geben, zumal wenn sie weniger zelebriert werden, als vielmehr den Seelenkern der Protagonistin freilegen, Auskunft über die Stimme, ihre Konsistenz, ihre Variabilität und Dehnbarkeit, ihre Fähigkeit zu farblichen wie dynamischen Nuancen. Lise Davidsen hat, was das angeht, seit ihrem doch recht durchwachsenen Debütalbum mit den «Vier letzten Liedern» von Richard Strauss einen gewaltigen Schritt gemacht. Ihr Sopran ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 33
von Jürgen Otten
Seit nunmehr zehn Jahren hält Cecilia Bartoli das Heft, besser: die Noten, der Salzburger Pfingstfestspiele in der Hand. Mit der Zeit hat sich eine richtige Familie herausgebildet, gerne langjährige Freunde der Prinzipalin, die unter einem jeweiligen Jahresmotto vier Tage lang ein klug erdachtes, einnehmend durchgestaltetes, mit allen schöpferischen Sinnen belebtes...
Das Stück? Im Grunde unspielbar. Ein Ungetüm mit 50 Personen, in seiner Urgestalt elf Stunden lang, mehr geschichtsphilosophisches Opus summum seines Schöpfers, bis zum Bersten gefüllt mit katholisch grundierter Anschauung und durchdrungen von jenem feu sacré, das auch die anderen Theatertexte Paul Claudels erleuchtet. «Le Soulier de satin», zwischen 1919 und 1923...
Üblicherweise sorgt der ausgeweidete, mit Augen- und Nasenhöhlen sowie spitzen Zahnreihen versehene, von Kerzen illuminierte Kürbiskopf für Grusel. Zumal zu Halloween. Dass das massive Gemüse dem Schrecken aber umgekehrt auch Einhalt zu gebieten vermag, lehrt uns das Album «Heinrich Albert’s Pumpkin Hut» von Dorothee Mields und dem Hathor Consort unter Romina...
