Blick ins Innere
Wenn’s denn ein Kalauer sein darf: Das Auge war in aller Munde. Johannes Leiacker hat es für Giacomo Puccinis «Tosca» auf der 700 Tonnen schweren und sieben Millionen Euro teuren Bregenzer Bodenseebühne entworfen, 50 Meter breit, 30 Meter hoch. Seine Pupille kann ausgeklappt, gedreht und geschwenkt werden. Dann ist sie die zentrale Spielfläche.
Das Bregenzer Auge ist, der Gräfin Attavanti abgeguckt, Teil des Kirchengemäldes, mit dem Cavaradossi die Eifersucht Toscas weckt, und es steht unter anderem auch für den totalen Überwachungsstaat des Polizeichefs Scarpia, dessen Geheimdienst alles sieht.
In diesem Auge finden sich Scarpias Folterkammern, und aus ihm tönen die grässlichsten Schmerzensschreie, die der malträtierte Oppositionelle und verhasste Nebenbuhler Cavaradossi je hören ließ. Kein Wunder, dass die Adern des Auges sich auch mal blutgetränkt darbieten. In diesem Auge wird mit allem römischem Pomp das «Tedeum» gesungen, dieweil unterm inzwischen aus dem See emporgewachsenen, 14 Meter hohen Stahlkreuz die politischen Häftlinge reihenweise abgeknallt werden. Lange wirkt Leiackers Auge malerischer, flächiger und somit enttäuschender als die Bühnenskulpturen, die vordem den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eigentlich könnten sie in Pesaro ja hoch zufrieden sein. Von der Herablassung, mit der noch in den sechziger Jahren die großen Opern Gioacchino Rossinis behandelt wurden, kann längst keine Rede mehr sein, und auch wenn «Barbiere» und «Italiana» wohl auf ewig die Aufführungsstatistiken dominieren werden, nehmen Dirigenten und Intendanten inzwischen auch Werke wie...
Gesangswettbewerbe schmücken sich gern damit, Ausgangspunkt großer Karrieren zu sein; kein Zufall also, dass sie auch nach den Erfordernissen des Markts schielen. Daher scheinen sie derzeit angesichts eines Überangebots an lyrischen Stimmen und eines Mangels an «großen», dramatischen eher die Letzteren zu bevorzugen – oder jene, die so tun, als wären sie...
Mit Kinder- und Jugendoper neues Publikum für das Musiktheater zu gewinnen, ist manchen Häusern bereits eine eigene Programmschiene wert. In München haben solche Aufführungen noch Seltenheitswert. Doch jetzt versuchten sich sowohl das Gärtnerplatztheater wie die Staatsoper, aber auch (erneut) das Festival für Neue Musik «ADEvantgarde» auf diesem Gebiet: Eine...
