Wer das Groteske sät, wird die Farce ernten
Silbern glänzte der Horizont und spiegelte sich in vielen kleinen und größeren Seen. Die Bäume davor schwarz und filigran, als wären sie Scherenschnitte. Grausame Ästhetik, denn die Seen waren überschwemmte Äcker und Wiesen; die viele Tage währende Juli-Sintflut hatte weite Strecken lieblicher englischer Landschaft unter Wasser gesetzt und zahlreiche Ortschaften verheert. Ambivalenz des Elementaren, Schönheit und sinnloses Unglück, von einer scheinbar gleichgültigen Macht nach Belieben verstreut.
Herrscht blind das Schicksal? Lebt kein Gott?
Fragen, die natürlich weit über den «Freischütz», über die Opernbühne überhaupt hinausreichen. Aber in diesem Jahr schienen sie zugleich eine Brücke zwischen Salzburg und Glyndebourne zu schlagen. Zwar stand Webers Oper 2007 nur an der Salzach im Spielplan, doch die Fragen fanden sich sinngemäß auch im Programmbuch des Festivals in den Sussex Downs. Um der hinter seiner Existenz befürchteten Sinnlosigkeit zu entfliehen, habe der Mensch sich Religion und Kunst erdacht, schreibt die Religionshistorikerin Karen Armstrong (nicht identisch mit der Sopranistin gleichen Namens) in ihrem Beitrag zur szenischen Aufführung von Bachs Matthäus-Passion. ...
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Wenn die Klassik auf Landpartie geht und in Kirchen, Scheunen oder auf der grünen Wiese spielt, ist von der viel beschworenen Krise der E-Musik nichts zu spüren. Natur, Kulinarik, (Hoch-)Kultur – auf diesen Dreiklang hört auch ein Publikum, das für gewöhnlich um Konzert- und Opernhäuser einen weiten Bogen schlägt. Der seit zwei Jahrzehnten anhaltende Festivalboom...
Ein Querschnitt des «Zigeunerbaron» mit Melitta Muszely legte vor mehr als vierzig Jahren den Grundstein meiner Plattensammlung. Die Österreicherin mit dem ungarischen Namen begleitete auch weiterhin meine frühen Opernjahre, denn sie war damals eine der populärsten Bühnenkünstlerinnen im deutschsprachigen Raum, omnipräsent in Rundfunk und Fernsehen wie auf...
Eigentlich könnten sie in Pesaro ja hoch zufrieden sein. Von der Herablassung, mit der noch in den sechziger Jahren die großen Opern Gioacchino Rossinis behandelt wurden, kann längst keine Rede mehr sein, und auch wenn «Barbiere» und «Italiana» wohl auf ewig die Aufführungsstatistiken dominieren werden, nehmen Dirigenten und Intendanten inzwischen auch Werke wie...
