Autokino-Oper

Puccini: La Bohème
LONDON | ENO | ALEXANDRA PALACE

Die English National Opera hat ihr Lager vorübergehend am Alexandra Palace aufgeschlagen. Auf dem Ostparkplatz, um genau zu sein, gleich hinter dem traditionsreichen Veranstaltungsort, gibt’s aktuell eine Drive-in-«Bohème». 120 Autos werden so sorgsam platziert wie auf einer Autofähre. Wer keins hat, kann einen Leerwagen mieten oder mit dem Fahrrad kommen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind strikt: Fenster nur auf der Fahrerseite öffnen! Macht aber niemand, es ist ein heißer Tag und reichlich Platz.

Nicht herumlaufen! Machen alle, schließlich hat die Anfahrt durch London bei vielen länger gedauert als die Oper selbst und zweifellos vielfach für erbitterte Debatten zur Frage gesorgt: Ist die M 25 der zehnte Höllenkreis oder doch eher die North Circular? Am Parkplatzrand warten mobile Toiletten und ein Gastronomie-Bus (der sich späterhin in das mobile «Café Momus» verwandelt) auf Menschen, die jetzt alles wollen, nur nicht mehr im Auto sitzen. Man sollte vorbestellen und sich am eigenen Wagen bedienen lassen, aber Lust auf Süßes lässt sich schwer planen. Das Eis schmilzt sofort, das muss auch so sein. Klebrige Armaturen steigern das Autokino-Wohlbehagen.

Den Sound holt man sich per ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
Im Dickicht der Dialektik

Im Anfang ist nicht das Wort. Sondern festliche Musik, wiewohl ironisch verfremdet. Das Orchester spielt die Introduktion zum dritten Akt von Händels «Salomo», aus der Tiefe des Raums kommt Valery Tscheplanova, auf High Heels, im hautengem Kostüm, in Händen die sternenbekränzte USA-Flagge. Einzug der Königin von Saba? Ja und Nein. Ja, weil erotische Energien...

Die Unvollendete

Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg...

Pesaro lebt

Wie alle italienischen Festivals, so hat auch Pesaro beschlossen, auf jeden Fall ein (wenngleich reduziertes) Programm anzubieten, mit einer Produktion im Teatro Rossini und verschiedenen Open-Air-Konzerten auf der Piazza del Popolo; dort wurde eine Bühne gebaut, die aufgrund der geltenden Hygieneauflagen 600 statt der üblichen 1000 Besuchern Platz bot. Im Teatro...