Qualitätskontrolle
Die disruptiven Kräfte des Internets haben unzählige neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle geschaffen, gleichzeitig aber auch Altes geschwächt oder gar zerstört. Dabei will ich gar nicht verhehlen, dass mir die Entmachtung einiger traditioneller Power Broker und Gatekeeper im Sinne des Fortschritts sehr zupass kommt. Die bisherige Ordnung ist jedenfalls gehörig durcheinander gebracht worden. So wie im Musikbereich YouTube, Spotify & Co.
dafür gesorgt haben, dass die jüngere Generation mehrheitlich schon seit Jahren keine Notwendigkeit mehr sieht, für Musik relevantes Geld ausgeben zu müssen, hat sich auch die Erwartungshaltung gegenüber journalistischen Angeboten gewandelt. Warum sollte man sich noch Tageszeitungen oder Zeitschriften kaufen, wenn doch zu ohnehin allem scheinbar alles umsonst im Netz zu finden ist? Wieso tageweise auf Zeitungen warten, geschweige denn auf monatlich erscheinende Fachzeitschriften, wo doch diverse Portale quasi in Echtzeit berichten und in den sogenannten sozialen Medien – ob schriftlich oder in unmittelbaren Reaktionsvideos – schon längst alles vielfach kommentiert wurde?
Das Phänomen lässt sich allgemein in fast allen Bereichen des Konsums ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wozu Musikkritik?, Seite 112
von Sebastian Solte
Man kommt kaum umhin, bei ihren Bühnenbildern an Peter Brooks wunderbar zeitlosen Essay «Der leere Raum» zu denken, und ebenso an diese dialektische Kunst der Fülle innerhalb der Abwesenheit von Material. Katrin Lea Tags Bühnen zeichnen sich – wie ebenfalls ihre Kostüme – durch eine radikale, ins Bild übersetzte Gedankenschärfe aus. Sie verkleiden nicht(s), sondern...
Sie kennen den Betrieb beide wie ihre eigene Westentasche. Hier Aviel Cahn, der während seiner Zeit als Intendant die Opera Vlaanderen in Antwerpen und Gent (2009–2019) mit mutiger Stückauswahl und ambitionierten Regiehandschriften international wettbewerbstauglich gemacht hat und dieses Prinzip seit Beginn der Spielzeit 2019/20 auch am (frisch renovierten) Grand...
Es war der Morgen nach einer Premiere beim Festival in Aix-en-Provence im Jahr 2017, als ein Radiosender Jakub Józef Orliński um eine kurze Einspielung bat. Nein, sagte man ihm, er werde nicht zu sehen, nur zu hören sein, während er «Vedrò con mio diletto» aus Antonio Vivaldis «Il Giustino» singe. Also zog der Countertenor an, was man in einem südfranzösischen...
