Eine gewisse Affinität
Zwei Schwestern. Einander so ähnlich und doch so unterschiedlich. Was sie dennoch eint, ist die Fähigkeit, Bilder zu kreieren, tatsächliche und imaginäre. Und ganz gewiss steckt dem Kino das illusionistische Musiktheater bereits in den Genen – was niemand so scharfsinnig erkannte wie Theodor W.
Adorno, als er, in Anlehnung an Nietzsche, bemerkte, in Wagners «Kunstwerk der Zukunft» ereigne sich die «Geburt des Films aus dem Geiste der Musik» – allerdings so, dass der im Bayreuther Festspielhaus avancierte Traum bereits vorwegnehme, was späterhin die Traumfabrik Hollywood, Inbegriff der Kulturindustrie, zu perverser Perfektion bringen würde. So prophetisch die Analyse sein mag, und so berechtigt die Kritik – beide Kunstformen haben in mannigfaltiger Weise voneinander profitiert
Konkurrenz der Medien
«Der Kinematograph […] wird vielleicht das Theater aus den Köpfen und Herzen der Menschen verdrängen. Wir wissen es nicht.» Diese Äußerung des französischen Komponisten Paul Dukas in einem Interview aus dem Jahr 1912 zeigt deutlich genug, dass das seinerzeit im Aufbruch befindliche Kino von den Opernschaffenden als Gefahr und Bedrohung wahrgenommen wurde. Dukas scheint zumindest nicht ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Oper und Film, Seite 100
von Arne Stollberg
Als das Ensemble Modern 2018 in Donaueschingen mein «Ballett für Eleven» uraufführte, eine szenische intermediale Komposition für großes Ensemble, Fixed Media, Live-Mapping und Live-Elektronik, begann das Stück damit, dass im Raum verteilte Ensemblemitglieder mit zugeklebten Mündern und Augen und einem Saalplan in der Hand Kontakt mit dem Publikum aufnehmen...
Meine frühesten Opernerfahrungen datieren in die 1960er-Jahre zurück. Sie bestanden aus stundenlangem Anstehen um Karten, aus dem Erlebnis einer Vorstellung, bei der für die 14-, 16- oder auch 20-Jährige alles aufregend neu war – das Werk, die Aufführung, die Sänger, das ganze Drumherum –, und aus dem Blick in die Zeitung zwei Tage später, um zu erfahren, was der...
Eine Überraschung ist es nicht: Schon in den vergangenen Jahren hat Tobias Kratzer mit extravaganten, faszinierend verstörenden, dabei stets diskursiven Regiearbeiten das gesteigerte Interesse von Publikum und Kritik auf sich gezogen. Seine «Tannhäuser»-Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen 2019, die nun zur «Aufführung des Jahres» gewählt wurde und für die...
