Freiheit, ein prekäres Gut

Musizieren außerhalb staatlicher und städtischer Institutionen: Freie Ensembles, künstlerisch oft hochrenommiert, agieren finanziell schon in normalen Zeiten an der Grenze des Machbaren. In der Krise brechen ihnen die Einnahmen weg, werden selbst künftige Engagements vage. Eine Recherche bei den Neuen Vocalsolisten Stuttgart, der Akademie für Alte Musik Berlin, dem Freiburger Barockorchester, dem Klangforum Wien und dem Solistenensemble Kaleidoskop

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«Ein supertolles Jahr» hätte es werden können laut Christine Fischer, «richtig voll, super Aufträge, gut bezahlt». Und nun? «Das bricht jetzt alles zusammen», sagt die Managerin der Neuen Vocalsolisten Stuttgart. Sollten bis zum Juli weiterhin Konzerte ausfallen, dann würden ihr 100 000 Euro an Einnahmen fehlen. Bei der Akademie für Alte Musik Berlin ist man da schon weiter, jedenfalls zahlenmäßig.
«490 000 Euro werden uns bis Ende Mai entgangen sein», rechnet Intendant Uwe Schneider vor, «bis zum Juli wären es dann über 800 000».

Die Absagen aufgrund des Coronavirus treffen all die Ensembles besonders hart, die sich einst in stolzer Freiheit außerhalb der staatlichen und städtischen Institutionen gegründet haben. Und könnten im schlimmsten Fall einen unersetzlichen Verlust auch für die musikalische Ästhetik bedeuten, da sich nicht alle, aber viele freie Ensembles der Alten oder der Neuen Musik verschrieben haben. Also all jenen Musikformen jenseits des klassisch-romantischen Regelkanons, die von den öffentlichen Kollektiven nicht oder nur unzureichend abgedeckt werden.

Schließlich hat die Freiheit einen Preis, den sich diese Ensembles immer wieder neu erkämpfen müssen. Rein ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Thema, Seite 24
von Michael Stallknecht

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