Hommage an eine sterblich Getriebene

Reinvere: Minona
REGENSBURG | THEATER

Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt, die Frucht einer heimlichen Liebesnacht von Ludwig van und Josephine gewesen sein soll.

Anfang Juli 1812, so die These, müssen sich der Komponist und seine ehemalige Klavierschülerin, die damals unglücklich mit dem aus Livland stammenden Baron Christoph von Stackelberg verheiratet war, in Prag begegnet sein, wofür nicht zuletzt der rege, teilweise überlieferte Briefwechsel der beiden spreche. Allein, belegen lässt sich nur Beethovens Besuch in der Stadt, alles andere bleibt Spekulation.

Die Frage, ob sie’s getan haben oder nicht, spielt in dem zum Auftakt des BTHVN-Jubiläumsjahres am Theater Regensburg uraufgeführten Zweiakter denn auch nur am Rande eine Rolle. Der in Tallinn (dem ehemaligen Reval, Sitz des Stackelberg-Clans) geborene und aufgewachsene Reinvere interessiert sich im selbstverfassten Libretto eher für die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Personalien, Meldungen März 2020

JUBILARE

Robert Lloyd nahm bei dem Bariton Otakar Kraus Unterricht. Er debütierte 1969 im damaligen Collegiate, dem heutigem Bloomsbury Theatre des University College London, als Don Fernando in Beethovens «Leonore», der Urfassung des «Fidelio». Von 1969-72 war er Solist an der Sadler’s Wells Opera Company (der heutigen English National Opera), anschließend...

Zeitgenossenschaft

Schon Hölderlins Hyperion ahnte es: Der Mensch ist eine beunruhigend prekäre Einrichtung der Natur, etwas, «das, wie ein Chaos gärt, oder modert, wie ein fauler Baum, und nie zu einer Reife gedeiht». Ähnlich kritisch sieht dies auch Golem XIV, jener Supercomputer, dem der polnische Science fiction-Autor Stanisław Lem 1973 ein intelligent-funkelndes literarisches...

Adam goes Strindberg

Dietrich W. Hilsdorfs Debüt am Essener Aalto-Theater – die zweite Produktion überhaupt am frisch eröffneten Haus und der Beginn einer intensiven Arbeitsbeziehung – war vor vielen Jahren eine zuerst skandalisierte, aber rasch zum Kultstatus avancierte Inszenierung von Verdis «Don Carlo». Nach längerer Abwesenheit ist Hilsdorf nun triumphal nach Essen zurückgekehrt:...