Schwirren und Beben
Wenige Produktionen klingen so stark und so lange nach wie die Salzburger «Salome». Dass die Energien und Konturen der Musik geradezu sichtbar wurden, hat wesentlich mit dem labyrinthisch offenen Schauspiel zu tun, das Romeo Castellucci in der Felsenreitschule für Strauss erfand. Überhaupt entpuppt sich die faszinierend rätselhafte Bühnensprache des aus der Emilia-Romagna stammenden Querdenkers mehr und mehr als wirkmächtige Neuformulierung des Gesamtkunstwerk-Gedankens.
Versuch, die Philosophie des Castellucci-Kosmos zu skizzieren, in fünf Schlagworten und acht Schlaglichtern auf sein Musiktheater – vom Brüsseler «Parsifal» (2011) bis zum Mozart-«Requiem» in Aix (2019)
Ursprünge | Schon mit den ersten Arbeiten lief er Sturm gegen ein Theater der Repräsentation. Ein Theater, das die Bühne als Spiegel des Wirklichen begreift. Das Darsteller, Tänzer, Sänger als Akteure einsetzt, die reale Beziehungen simulieren, in abbildhaften Räumen. Romeo Castellucci war Anfang 20, als er 1981 mit seiner Schwester Claudia und der Schauspielerin Chiara Guidi die Künstlergruppe Socìetas Raffaelo Sanzio gründete. Das Ziel: zu Formen eines Spiels zurückzufinden, in dem Wort und Geste, Gedanke und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2019
Rubrik: Aufführung, Regisseur, Bühnenbildner des Jahres, Seite 26
von Albrecht Thiemann
Der 27. März 2019 war ein Tag für die Annalen: Eine Königin dankte ab. Als Elisabetta in Donizettis «Roberto Devereux» verabschiedete sich Edita Gruberova im Münchner Nationaltheater von der Opernbühne. Damit ging eine einzigartige Karriere zu Ende, die am 19. Februar 1968 in Bratislava mit Rosina in Rossinis «Barbiere di Siviglia» begann. Nach ihrem Erfolgsrezept...
Es war eine schwere Geburt. Sieben Jahre, von 2010 bis 2017, arbeitete György Kurtág an seiner Beckett Oper «Fin de partie». Und selbst die Partitur, die im November 2018 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde, unter der musikalischen Leitung von Markus Stenz, in Pierre Audis behutsam existenzialistischer Regie und mit vier fantastischen Gesangssolisten,...
Es scheint fast, als hätten in der Kostümschneiderwelt die gerne verwendeten mausgrauen Business-Outfits oder das Schwarz-Weiß von Hose und Hemd als bequeme Allzweckkleidung ausgedient. Stattdessen lieben es wichtige Ausstatter schrill, knallig, fantasiesatt, farbenfroh, kontrastreich: Man denke etwa an Victoria Behr oder Gianluca Falaschi, die aus früheren...
