Der Glücksucher

Auf dem neuesten Forschungsstand: Barbara Meier hat eine fundiert-sachliche Biografie über Alban Berg geschrieben

In der an tumultuarischen Premieren- und Uraufführungskrächen nicht armen Musikgeschichte gehört der 31. März 1913 zu den Top Acts. Bei einem von Arnold Schönberg dirigierten Konzert im Großen Musikvereinssaal zu Wien stehen neben Schönbergs erster Kammersymphonie die «Sechs Stücke für Orchester» von Anton Webern, die Nummern 2 und 3 aus Alban Bergs «Fünf Orchesterliedern nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg» sowie Lieder von Zemlinsky und Mahler auf dem Programm.

Gelächter, Zischen, Unruhe schon bei Webern und Schönberg; der gemäßigte Zemlinsky beruhigt das Publikum etwas. Während der Aufführung von Bergs Liedern gibt es dann kein Halten mehr: Es setzt Ohrfeigen, die Polizei muss einschreiten, das Konzert wird abgebrochen, einige Kombattanten treffen sich später vor Gericht.

Die Szene gehört in jede Berg-Biografie. Auch in die von Barbara Meier, ohne dass sie dort überzeichnet wird. Vielleicht verzichtet Meier deshalb bewusst auf die Pointe, dass im Publikum der Operettenkomponist Oscar Straus anwesend ist, der später als Zeuge vernommen wird und, gefragt, ob er die Ohrfeige gehört habe, antwortet: «Sicher […], ich habe sie auch vernommen, denn sie war das weitaus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Halb lebendig

Das Stück wird geliebt, seine kompositorische Finesse oft gerühmt. Aber es könnte noch viel besser sein, hätte Erich Wolfgang Korngold die Oper nicht mit Anfang 20, sondern mit 30 geschrieben und den «Genius loci» nicht vollständig aus der Musik verbannt. Das von ihm und seinem Vater verfasste Libretto weist Brügge durchaus eine zentrale Rolle zu; musikalisch...

Zugespitzt

Im Vergleich zur Wiederentdeckungswelle der 1980er-Jahre ist es um Franz Schreker deutlich ruhiger geworden – in Zürich wurde zu diesem Komponisten freilich noch einmal ein starkes Wort gesprochen. Zur Saisoneröffnung brachte das dortige Opernhaus «Die Gezeichneten» heraus – und das in einer Produktion, die mit ihren scharfen Kanten neue Deutungswege erkennen...

Mystischer Verismo

Verismo, eine Mixtur aus Leidenschaft, Herzschmerz und Bigotterie – so präsentiert sich der Operndreiakter «Mala vita» von Umberto Giordano, dessen «Andrea Chénier» über den politisch schillernden Dichter der Französischen Revolution zum italienischen Kernrepertoire gehört.  Nahezu ohne historische Bezüge und von rauerer Bauart ist die «Mala vita»-Handlung, in...