Foto: Theater / Jochen Quast

Ästhetischer Übergriff?

Bach: Messe in h-Moll
Regensburg | Theater

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Schon vor 40 Jahren hat Hans Werner Henze gegen die wahllose Selbstbedienung des Tanztheaters aus dem Plattenschrank der Musikgeschichte polemisiert: «Es wäre mir angenehm, die Choreographen würden ihre Füße von der Musik lassen, die nicht für sie gedacht ist.» Längst haben diese «Übergriffe» aufgrund einer «mangelhaften ästhetischen Erziehung» (Henze) auch das Musiktheater erreicht. Händel-Oratorien, Bach-Passionen und Bach-Kantaten, selbst die Totenmessen Mozarts und Verdis sind auf der Bühne zu besichtigen.

Die Frage nach dem künstlerischen Mehrwert einer solchen Dramatisierung und Visualisierung stellt sich besonders dringlich bei Bachs überwiegend chorisch besetzter «Messe in h-Moll» mit ihrer komplexen Kontrapunktik. Handlung ist aus dem Gottesbekenntnis der lateinischen Messe beim besten Willen nicht herauszukitzeln; auch formal findet sich, anders als in den Oratorien, Passionen und Kantaten mit ihrer Abfolge von Rezitativen und Arien, keine Berührung mit der Oper. Achim Freyer hat die «H-Moll-Messe» 1996 als «theatralischen Versuch über das Dasein» inszeniert, dabei Chor und Solisten in den Orchestergraben verbannt und auf der Bühne eine Art wortloser, seelischer Anatomie ...

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Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert

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