Leeranzeige

Offenbach: Orpheus in der Unterwelt
Stuttgart | Oper

Die Offenbach’sche Operette, so Karl Kraus, sei die Apotheose «einer verantwortungslosen Heiterkeit, die in diesem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lässt». Kraus konnte nicht mit Armin Petras rechnen, der «Orpheus in der Unterwelt» mit einem Einfall rahmt, der der beißenden Satire auf die Bourgeoisie im Kaiserreich des dritten Napoléon die Zähne zieht, bevor sie noch recht begonnen hat.

Stummfilmszenen – Petras datiert sie auf 1871, das Jahr der Pariser Commune – dichten Eurydike eine Vergangenheit als Fabrikarbeiterin an, aus der sie der Musikprofessor Orpheus befreit. Später entflieht sie aus ihrer Ehelangweile zum Untergrundchef Pluto. Anders als Frank Castorf in seiner «Faust»-Inszenierung (siehe OW 12/2016), die die Multiperspektive kontrastierender Zeiten und Bildwelten bis zum Schluss virtuos durchhält, schlägt Petras aus Eurydikes Emanzipationsgeschichte keine Funken, sondern vergisst sie sofort wieder und gibt sich mit einem Spiel zufrieden, das, je länger der Abend dauert, sich desto öder als biedere Ausstattungsklamotte entpuppt.

Ironie, Doppelbödigkeit, Sarkasmus, all die funkelnden Perlen von Offenbachs Humor und seiner Musik, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Apropos... Öffentlichkeit

Herr Visser, gab es ein Erlebnis, das Sie für die Oper entflammen ließ?
Ich stand zwar früh während der Schulzeit in Theaterstücken auf der Bühne, aber ich erinnere mich, wie ich zufällig im Fernsehen eine Übertragung von Wagners «Ring» sah, die Amsterdamer Produktion von Pierre Audi. Während mein Vater Fußball guckte, sah ich fasziniert die «Walküre», eine...

Unterm Seziermesser

An diesen Arrangements klebt nicht nur das Fin de siècle, sondern – aus etwas schräger Sicht – wohl auch das Wiener Kaffeehaus. Obwohl sie nicht für diese Lokale geschaffen wurden, sondern für Arnold Schönbergs 1918 gegründeten «Verein für musikalische Privataufführungen», dessen Konzerte in den unterschiedlichsten Sälen stattfanden, darunter der Musikverein...

Mut zur Lücke

Synergien, modifizierte Neuauflagen, neue Zugänge – der Buchmarkt ist um einige Musiklexika reicher geworden. Dass die Pressemitteilungen dazu manchmal vollmundiger daherkommen als das, was der Leser tatsächlich vorfindet, liegt in der Natur des Geschäfts. So soll das von Arnold Jacobshagen und Elisabeth Schmierer herausgegebene «Sachlexikon des Musiktheaters»...