Nichts ist je vollendet
Tradition sei nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers, hatte Gustav Mahler sich erhitzt. Mit ruhigerem Puls und wortreicher, aber sonst völlig d'accord formulierte es einmal Luciano Berio im Interview für diese Zeitschrift: «Ich habe immer daran geglaubt, dass die Zukunft sich nur aus der Vergangenheit entwickeln kann. Im Zusammenhang mit meinen Bearbeitungen fremder Kompositionen sagte ich einmal, sie seien ein Tribut an den Gedanken, dass vielleicht nichts an sich jemals vollendet ist ...
» Ganz in diesem Sinne sind auch seine Bearbeitungen früher Lieder Gustav Mahlers zu verstehen, die hier nun von Matthias Goerne und dem BBC Symphony Orchestra unter Josep Pons präsentiert werden.
Der junge Gustav Mahler habe, so meinte Bruno Walter, die Begegnung mit der «Wunderhorn»-Sammlung Brentanos und von Arnims als «Begegnung mit seiner eigenen geistigen Heimat» empfunden. Dem entgegnete der Musiksoziologe Kurt Blaukopf in seiner Mahler-Biografie, solch affirmative Wertung lasse die Kritik außer Acht, die der Komponist an den von ihm gewählten Texten musikalisch geübt habe, etwa durch die Unmittelbarkeit und Härte, mit der Dur und Moll ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard Persché
Was wäre unsere Kenntnis der französischen Musikgeschichte ohne den Palazzetto Bru Zane? Die Stiftung der Pharma-Milliardärin ist nun auch für die wichtige Berlioz-Briefausgabe eingesprungen. Eine beeindruckende editorische Leistung findet so beim Verlag Actes Sud zum würdigen Abschluss: Zwischen 1972 und 2003 waren in acht Bänden knapp 4000 Briefe publiziert...
Die Reflexe kommen bei manchen schnell. Jaroussky, wunderbar – aber mit Solokantaten von Bach? Welcher deutsche Counter würde sich, beispielsweise, an ein Album mit französischen Vertonungen von Verlaine wagen, wie es Jaroussky so hinreißend gelang? Andererseits: Pourquoi pas? Natürlich hört man, dass Deutsch nicht die Muttersprache des 38-jährigen Sängers...
Lange haben wir auf diese Einspielung gewartet. Erscheinen sollte sie schon vor einem Jahr. Doch bei Teodor Currentzis läuft es oft anders als geplant. Unmittelbar nach der szenischen Produktion des «Don Giovanni» in Perm (siehe OW 1/2015) wollte er Mozarts Oper aufnehmen, freilich in anderer Besetzung. Diese Aufnahme war Ende 2014 fast fertig – und wurde...
