Entlegene Pfade
Die Natur hat die junge Russin Margarita Gritskova mit einer Riesenstimme ausgestattet: einem Mezzosopran, fulminant in der Höhe, wie eine dunkle Glocke in der Tiefe und äußerst agil in den Auszierungen. Inzwischen singt sie in vorderster Reihe an der Wiener Staatsoper. Sie ist ein leuchtendes Beispiel für die Förderung junger Begabungen, wie sie Intendant Jochen Schönleber seit nunmehr 25 Jahren bei «Rossini in Wildbad» betreibt.
Die Sopranistin Maria Aleida und der wahrhaft kapitale Bass von Marcell Bakonyi gehören auch in diese Kategorie, während der heldisch auftrumpfende Tenor Kenneth Tarver im Grunde schon zu den alten Hasen zählt. Sie alle agieren in den Hauptpartien des «Sigismondo», den Gioachino Rossini mit 22 als neunte Oper aufs Papier warf. Sie wurde eine seiner erfolglosesten Arbeiten, taugte aber zur Resteverwertung, selbst für ein Meisterwerk wie den «Barbier von Sevilla». Dessen Introduktion, dessen Verleumdungsrascheln sind auf Anhieb auszumachen. Und damit wären wir beim nimmermüde verfochtenen Ziel Nummer zwei des Festivalchefs: den Entdeckungen, die bei einem derart produktiven Komponisten immer noch möglich sind.
«Sigismondo» gab es 1995 schon einmal im ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 28
von Heinz W. Koch
Herr Puhlmann, wollen Sie in Mannheim an Ihre nach fünf Jahren abrupt beendete Stuttgarter Mission anknüpfen?
Stuttgart bleibt für mich unvollendet. Nach dem Schock, den so ein Ende natürlich für die Biografie bedeutet, habe ich die ersten freien Jahre auch genossen. Doch der Wunsch war immer da, ein Opernhaus zu leiten. Und jetzt freue ich mich auf Mannheim. Mein...
Glückliche Kühe und glückliche Menschen auf grünen Wiesen vor schneebedeckten Bergen: So stellten sich die kultivierten Städter des 19. Jahrhunderts die Schweiz vor. Der Wiener Joseph Weigl (1766-1846), Patenkind Haydns, Schüler Salieris und Komponist von über 30 Bühnenwerken, hatte eine gute Nase, als er sich 1809 mit seinem Singspiel «Die Schweizer Familie» als...
«Die Sitze sind eng, hölzern hart und bemerkenswert unbequem», urteilte der Reiseschriftsteller Horst Krüger 1987 über den «Arbeitsplatz» der Zuschauer im Bayreuther Festspielhaus. Es muss also schon etwas mit den Inhalten zu tun haben, wenn das Publikum nach einer rund sechsstündigen Aufführung emphatisch einen Künstler bejubelt. Und natürlich dessen Leistung. So...
