Verzettelt

Komponierender Jurist vertont australischen Bestseller: «Cloudstreet» an der State Opera of South Australia

Opernwelt - Logo

Kunst braucht Mut zum Risiko. Besonders zeitgenössische, das gilt auch im Musiktheater. Die Australische Nationaloper geht Wagnissen allerdings lieber aus dem Weg. Deshalb müssen die wenigen übrigen Ensembles in die Bresche springen – jüngst kam die    State Opera of South Australia in Adelaide diesem Auftrag mit der Uraufführung von George Palmers «Cloudstreet» nach.

Tim Wintons gleichnamigen Bestseller (1991) haben Schauspiel und Fernsehen bereits für sich entdeckt. Als Opernvorlage gebärdet sich der Roman sperrig.

Nicht nur wegen seines Umfangs und der episodischen Erzählweise. Sondern auch, weil sich seine Essenz nur schwer fassen lässt: Der Plot umspannt einen Zeitraum vom Zweiten Weltkrieg bis in die frühen 1960er-Jahre. Es geht um zwei Arbeiterfamilien, die Lambs und die Pickles, die sich ein heruntergekommenes Haus teilen, als eine Art Heiliger Narr geistert «Fish» Lamb (Nicholas Jones) durch die Handlung, der als Kind fast ertrank und seither geistig behindert ist.

Daraus ein Libretto zu destillieren, ist mindestens eine Herausforderung. Palmer hat sich dieser Aufgabe tollkühn selbst gewidmet. Einerseits spult der Komponist die Szenen des Romans oft in staccato-artiger, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von John Carmody

Weitere Beiträge
Einsamkeit und Ödnis

Sehnsuchtsvoll, todesverliebt, ozeanisch ist Wagners «Tristan»-Musik. Auch kosmisch: Ein Gefühl von «Unendlichkeit» verströme sie, meint Pierre Audi, dessen erste «Tristan»-Erfahrung ins Jahr der Mondlandung 1969 fiel. Da war er zwölf. Seither ist für ihn Wagners Schritt ins chromatische Universum vom «großen Schritt für die Menschheit» nicht zu trennen.

Jetzt hat...

Der andere Impressionismus

Keiner brachte sich so kompromisslos gegen das sogenannte «Regietheater» in Stellung wie Peter Stein. Als er in den frühen Neunzigerjahren Debussys «Pelléas et Mélisande» herausbrachte (er tat das in der Abgeschiedenheit der Welsh National Opera von Cardiff, aber doch zusammen mit Pierre Boulez am Dirigentenpult), setzte er auf eine Lesart, welche die...

Gewiefter Liebling

Gut aussehend soll er gewesen sein. Mit großen, feucht schimmernden Augen zeigt ihn ein Ölgemälde von Élisabeth Vigée-Lebrun; angeblich hat sie ihn gut getroffen (Foto). Zarin Katharina die Große, der er von 1776 bis 1783 diente, war in Giovanni Paisiello geradezu vernarrt, überhäufte ihn mit Geschenken, legte ihm sogar einmal – er wirkte am Cembalo ein wenig matt...