Aus dem Leben eines Taugenichts

Chris, du führst Liz jetzt rüber zu dem Tisch da. Die andern ­halten sie fest, du reißt ihr das Höschen runter, und dann legt Andrew los.»

«Ähm, was für ein Höschen hat sie denn?», frage ich. «Doch nicht so ein steifes Ding oder Strapsen-Salat?»

«Sie trägt zwei Paar. Eins für dich zum Ausziehen, und noch eins drunter, na, für sich halt. Wirst sehen, das flutscht.»

«Gut. Nicht dass ich wieder stundenlang am Fummeln bin.»

«Kein Ding, echt, das geht ruckzuck. O. k., Leute ... dann mal los.»

Eine ganz normale Probe.

Die Männer in der Oper tun den Frauen in der Oper wieder mal Unaussprechliches an. Na und? In diesem Stück steht es sogar in der Partitur. Für mich nichts Neues, im Durchschnitt spiel’ ich eh mehr Perverse als Normalos. Gut, das hat was mit meinem Fach zu tun, aber es gehört zur Oper auch irgendwie dazu. Wenn man die Figuren schonungslos unter die Lupe nimmt, sind sie entweder so harmlos wie das Kissen, in das sie ihren Liebeskummer sabbern – oder sie zerraufen rollig Röcke und rammeln, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Mit und ohne Zustimmung. Dazwischen gibt’s nicht viel. Grauzonen machen sich wohl nicht gut auf der Bühne.

Trotzdem gibt mir das plötzlich zu denken. Dass ...

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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christopher Gillett

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