Das große Versteckspiel

Die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP sind zu einem Reizthema geworden. Steht die öffentliche Kulturförderung und damit die Theater- und Opernlandschaft Europas auf dem Spiel?

Demos, Kundgebungen, Aktionstage, Diskussionen: Der Unmut über das Freihandelsabkommen TTIP ist groß. Es ist ein Protest ins Ungewisse: Er richtet sich gegen etwas, von dem niemand genau weiß, was es sein wird. Sicher ist bloß, dass TTIP kommen wird. Für die Wirtschaft ist die Angleichung der europäischen und amerikanischen Märkte gewiss ein Gewinn, für die subventionierte Opern- und Orchesterlandschaft womöglich eine existenzielle Bedrohung. Sie muss mit klaren Regelungen ausgenommen werden. Und das ist leider leichter gesagt als getan.

Denn die Grenzen zwischen Handelsware und Kulturgut sind kaum scharf zu ziehen. Versuch einer Inventur

 

Das Thema ist zäh und farblos, darum hat Jörg Haas den Teufel schon mal an die Wand gemalt. Der Hamburger Senat werde die Zuschüsse für das Schauspielhaus, das Thalia Theater und eine Reihe kleinerer Bühnen um die Hälfte kürzen, schreibt er in der «Hamburger Zukunftspost», sein Beitrag dreht sich um Hamburg im Jahr 2021. Fast alle Theater stünden vor der Schließung. Haas ist Sprecher des politischen Kampagnennetzwerks Campact. Sein Bericht ist nicht mehr als eine Schreckensvision, jedenfalls im Moment. Das erfundene Szenario geht so: Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: TTIP, Seite 98
von Florian Zinnecker

Weitere Beiträge
Zuverlässig, aber nicht berechenbar

Die Messestadt. Die Bankenstadt. Aber ist Frankfurt auch Opernstadt? Da zögert man, schiebt den Vergleich mit musiktheatralischen Hochburgen wie Wien, München oder Dresden doch lieber beiseite. Natürlich ist Oper in den ehemaligen großen Hoftheatern immer verankert gewesen. Beste Tradition. Hamburg (mit dem ältesten bürgerlichen Opernhaus Deutschlands) und Leipzig...

«Ich bin keine Stimm-Maschine!»

Wenn man Elena Sancho Pereg auf der Bühne der Düsseldorfer Rheinoper erlebt, vergisst man fast, dass sie singt. Zuallererst wird man gebannt von ihrem Spiel, ihrer faszinierenden Erscheinung. Erst dann registriert man die Qualität ihrer Stimme. In der Theaterwelt bezeichnet man eine solche Ausnahmebegabung auch als «Bühnentier». Der Begriff bezeichnet sehr treffend...

«Ich hatte Glück im Leben, von Anfang an»

Noch immer hat niemand die Lücke geschlossen, die sie nach ihrem Abschied von der Opernbühne 1997 hinterließ. Welche Sopranistin reicht heute an ihre Vitellia, Abigaille oder Leonora heran? Fast vergessen ist, dass Julia Varady sich auch vehement für Musik des 20. Jahrhunderts einsetzte. Davon zeugt nicht zuletzt ein CD-Recital mit Liedern von Kodály, Bartók,...