Geisterstunde in der Psychiatrie
Sergej Prokofjew, der belesene Russe und gesellschaftskritische Zyniker, interessierte sich in seinen Bühnenwerken vor allem für den zerstörerischen Amoklauf menschlicher Leidenschaften. Im «Spieler» nach Dostojewskis Roman (1917) lieferte er einen Hauslehrer der unmöglichen Liebe zu einer verwöhnten Frau und dem Spielwahn der dekadenten Gesellschaft aus.
In der wenig später begonnenen Oper «Der feurige Engel», die ihn zehn Jahre lang im westlichen Exil beschäftigen sollte, lotete er in die Tiefen einer weiblichen Seele, in denen, gut freudianisch, vor allem sexuelle Fantasien brodeln. Zweifellos haben diese psychopathische Grundtönung, aber auch Prokofjews unkonventionelle Dramaturgie und seine ekstatische Musik dafür gesorgt, dass der «Feurige Engel» in letzter Zeit ein wenig Konjunktur hat ‒ zuletzt an der Komischen Oper Berlin (inszeniert von Benedict Andrews), demnächst an der Bayerischen Staatsoper in München (Barrie Kosky) und momentan an der Deutschen Oper am Rhein.
Christoph Meyer, der Intendant der Rheinoper mit ihren beiden Häusern in Duisburg und Düsseldorf, engagiert seit seinem Amtsantritt den aus Gelsenkirchen stammenden Immo Karaman als Spezialisten für das ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Michael Struck-Schloen
Neulich fuhren wir – das Ensemble aus Robert Carsens «Midsummer Night’s Dream» beim Festival in Aix-en-Provence – mit dem Zug rauf nach Lyon: Die sogenannte Sitzprobe stand an. Kolleginnen, die bisher ausschließlich in Jeans und Schlabberpullis herumschlurften, trugen plötzlich kurze Röcke, High Heels und schichtweise Make-up, um nachher mit dick getuschten Wimpern...
Die neue Oper von Marco Tutino schöpft aus beachtlichen Quellen: Alberto Moravias Roman und dessen 1960 erschienener Verfilmung in der Regie von Vittorio de Sica. In den kriegszerrütteten Jahren 1943-1945 kehrt Cesira (Sophia Loren) mit ihrer Tochter Rosetta aus Rom zurück in ihr Heimatdorf im ländlichen Italien. Sie werden verfolgt von Nazis und Faschisten, von...
Die 1984 gegründete Berliner Lautten Compagney hat sich international besonders mit Opern von Georg Friedrich Händel einen Namen gemacht. Bei einer Produktion des frühen Londoner Erfolgsstücks «Rinaldo» (1711) arbeitete sie zum ersten Mal mit dem italienischen Marionettentheater Carlo Colli & Figli zusammen, das auf eine Tradition von 200 Jahren zurückblicken kann...
