Körperlos durch den Orkus
Der Himmel ist blau, Möwen ziehen schräg durchs Blickfeld, eine Frühsommerbrise weht über das Ij, die Binnenalster von Amsterdam. Du liegst am Kai in einem blendend weißen Bett, neben dir eine sommersprossige Schöne, die dir Geschichten ins Ohr raunt ‒ von Kindern, die nachts aufwachen und ihre Eltern suchen, von der Hoffnung auf Glück und der notwendigen Enttäuschung. Und während du noch darüber nachdenkst, ob du selbst gemeint sein könntest, ist deine Zeit um, und der Nächste wartet auf seine Geschichte.
In Amsterdam, beim Holland Festival, ist auch das Bettgeflüster ein Kunstakt ‒ auf einer Hafenpier, in der U-Bahn oder mitten auf dem belebten Dam vor dem Königsschloss. Der argentinische Theatermacher Fernando Rubio legt uns in seiner Aktion «Todo lo que está a mi lado» (Alles an meiner Seite) zu Schauspielerinnen ins Bett. Und überhaupt erheben bei der 68. Ausgabe des Holland Festivals, das erstmals von einer Frau, der Schottin Ruth Mackenzie, geleitet wird, die Frauen vernehmlich ihre Stimme: als Verführerin wider Willen wie in Alban Bergs «Lulu» in der Inszenierung von William Kentridge (siehe OW 7/2015), als knallharte Geschäftsfrau aus China wie in Arnoud Noordegraafs neuer ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Michael Struck-Schloen
War der Königlich Preußische Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné ein verkappter Bühnenbildner? Auf diesen Gedanken kann kommen, wer die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci besucht. Bevor man eine der im Schlosspark verstreuten Aufführungsstätten erreicht, nimmt das Auge herrliche Kulissenwechsel wahr: Hier eröffnen die raffiniert
geschwungenen Pfade den Blick auf ein...
Impressum
56. Jahrgang, Nr 8
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752281
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 10.07.2015
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
«Liebe kann göttlich sein. Aber kein Gott kann den Menschen die Liebe bringen.» Der Agnostiker und Regisseur Hans Neuenfels spricht über sein Religionsdefizit im Magazin der Berliner der Staatsoper. Und seine Ariadne bleibt auf der Insel Naxos ungetröstet allein mit sich und der flitterhaften Zerbinetta-Truppe, ratlos und gottlos im Wahn, einsam bis zum in dieser...
