Im Zwielicht
Alle müsste man sie zusammenspannen, diese Frauen. In einer Debattenrunde, wo sie sich austauschen könnten über ihre Männer, ihre Geliebten, Söhne oder Väter, mehr noch: über das enge, gefährliche Geflecht aus Tradition, Konvention, auch aus selbstverschuldeter Passivität. Insofern ist da eine illustre Runde bei den Münchner Opernfestspielen zusammengekommen. Und vielsagend ist es, wie die Damen auf Geheiß ihrer Regisseure reagieren. Mélisande eigentlich gar nicht (was an einer Inszenierung aus dem Eisfach liegt).
Selma Jezková mit einem entschlossenen Gang nicht zum Strang, sondern ins Off. Jephtha mit der Auffächerung ihrer Person zur fantasievollen Performance. Und Arabella auf Geheiß von Andreas Dresen mit einer kurzen, überraschenden Handbewegung – schon hat Mandryka das Wasser nicht im Schlund, sondern im Gesicht.
Dresen, mit «Halbe Treppe» oder «Halt auf freier Strecke» erfolgreich abonniert auf die kleine, feine, fast dokumentarisch wirkende Kino-Groteske und mit Mozart schon opernerprobt, wäre von sich aus nie auf Hochkulinarik à la Strauss gekommen. Erst recht nicht an einem Haus wie der Bayerischen Staatsoper, wo bei «Arabella» seit Jahrzehnten die Aficionados in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Markus Thiel
«Juditha triumphans» auf der Opernbühne? Ein venezianisches Publikum im 18. Jahrhundert hätte dagegen wohl Einwände erhoben: zu wuchtig der Klang des opulent besetzten Orchesters (zu teuer im Übrigen auch fürs Budget des Impresarios), zu viele Chöre und kein einziges Duett, die Hierarchie der Figuren zu flach, stattdessen gleich fünf Sängerinnen im Ensemble mit...
Eugène Scribe war der erfolgreichste Librettist des 19. Jahrhunderts. In der Theatergeschichte ist sein Einfluss allein mit demjenigen Metastasios, des Präzeptors der Opera seria im 18. Jahrhundert, zu vergleichen. Nicht nur Meyerbeers große Opern, Donizettis «Dom Sébastien» oder Verdis «Les Vêpres siciliennes» entstammen seiner Werkstatt, sondern auch – als mehr...
Faust, ein Wrack. So drastisch-desolat Philipp Stölzl den alten Goethe-Zweifler auch hängen lässt – an den Rollstuhl gefesselt, verfangen in Tröpfen, Kanülen und Kathetern –, so konventionell verfährt er bei der Neuerarbeitung seiner Gounod-Inszenierung aus Basel (siehe OW 5/2008). Zumindest für hauptstädtische Verhältnisse. Emblematisch, also von Schlüsselbildern...
