Es ist serviert
Drei abgehackte Köpfe, damit haben wir gerechnet, summa summarum. Wer auszieht zu dreimal «Salome», muss sich schließlich auf eine gewisse Anzahl Kunststoffleichenteile gefasst machen. Aber es werden fünf. Und drei davon gehören nicht Jochanaan.
An Coburg liegt es nicht. Hier wird solide am Libretto entlang erzählt, und auf dem Höhepunkt gibt’s Jochanaans bleiches Antlitz in einer großen Plexiglasschüssel, in der Salome manisch herumrührt.
Herodes’ Palast glänzt derweil mit den Stuk-katuren des klassizistischen Saals heftig um die Wette: Alejandro Tarragüel de Rubio hat die Bühne mit einer Art Goldfolie ausgepolstert, die in Wülsten und Raffungen aus dem Schnürboden hängt, sich bauscht und rauscht, als der Tetrarch mächt’ge Flügel hört. Wenn es darum geht, die Beziehungen der Figuren mit Details aufzufüllen oder gar Hintergründe hinzuzuerfinden, hält sich Regisseur Tobias Theorell zurück. Komplexe Bilder gibt es wenige: Da entsteht zwischen Jochanaan und Salome ein Funken Nähe, als der Prophet der Prinzessin segnend die Hand auflegt und über die physische Geste eine Verbindung zu ihr, der Körperlichen, findet. Später beugt sich der Page (im Abendkleid) über den toten Narraboth, ...
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Opernwelt April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Wiebke Roloff
Im Klassik-Jetset trifft man unausweichlich auf diesen ganz bestimmten Typ. Dem Aussehen nach lebt er ausschließlich von miesem Airlinefraß und matten Pausenhäppchen. Die Zähne schimmern gräulich, der Atem haucht Theatermoder. Über seiner Schulter hängt eine abgewetzte Kunstledertasche, und das ist dann auch schon alles, was er an Gepäck dabei hat. Darin: ein...
Ein falscher Fuffziger, dieser Siegfried. Zwar erklärt er, «ihrem Manne gehorchte Brünnhild eine volle bräutliche Nacht», doch als Gutrune eifersüchtig zu bedenken gibt, dass er ja selbst in Gestalt dieses Mannes Gunther um die Walküre geworben hatte, antwortet er kryptisch: «So nah – war Brünnhild ihm fern». Banal gesagt: «Okay, Honey, ich hab mit ihr geschlafen –...
Hätte Emilio de’ Cavalieri seine «Rappresentatione di anima et di corpo» ein paar Monate später geschrieben, wäre die Musikgeschichte ein wenig übersichtlicher. Dann nämlich bliebe es dabei, dass die «Euridice» des Gattungserfinders Jacopo Peri auch die erste vollständig erhaltene Oper ist. So aber droht ihr Cavalieris ebenfalls im Heiligen Jahr 1600 uraufgeführtes...
