Henze: Elegie für junge Liebende

Lübeck

Es sei – so schreibt der Komponist 1971 – zum Verständnis und zum Genuss seiner «Elegie» von nicht unerheblicher Wichtigkeit, die «Reibungen zwischen Farce, Tragödie, Opera buffa und Psychodrama» sichtbar zu machen – eine Forderung, die in der neuen Lübecker Produktion in hohem Maße erfüllt wird.

Auf subtile Weise spürt Reto Nicklers Regie den unterschiedlichen Ebenen des Werkes nach, gibt der Komi-Tragödie der (von Andrea Stadel hinreißend gesungenen und gespielten) Hilda Mack einen ebenso hohen Stellenwert wie dem Aufdecken seelischer Abgründe bei Mittenhofer und seiner gräflichen Sekretärin Carolina. Das Ganze wird in den artifiziellen Rahmen einer sich zu mehreren Spielorten öffnenden stilisierten Bergwand gestellt (Ausstattung: Julia Hansen). Die «Künstlichkeit der Form» (ein weiteres Kriterium, mit dem Henze sein Werk charakterisiert) findet damit eine plausible szenische Entsprechung.
Mit welcher Intensität sich das spielfreudige Ensemble auf solche Vorgaben einlässt, wie Satirisches und Revuehaftes dem Handlungsverlauf untermischt werden, wie Realität immer wieder durchbrochen wird von surrealen Momenten – das zu beobachten, macht ganz einfach Spaß. Es ist ein austariertes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 64
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Romantik und Realismus

Rossini-Opern, hat man ihre Funktionsweise erst einmal durchschaut, machen glücklich. Die großen dramatischen Konfrontationen laufen wie Schneeballschlachten ab: Die Kontrahenten schleudern sich in wachsender Erregung Koloraturen-Salven ins Gesicht. Lyrische Gefühle klettern hingegen auf langen Koloraturen-Treppen gen Himmel und wieder hinab. Dramatik setzt sich...

Nicht bloß an Verkaufszahlen denken

Als Konsumgut, das dem Publikum durch Momente etwas wert sei, die der Sache gar nicht wesentlich wären, werde es zu einem anderen als es selbst, hatte Adorno vor mehr als vierzig Jahren über das Phänomen Oper formuliert. Auf trivialer Ebene entspricht diesem Statement ein Cartoon, der 2005 anlässlich des Hype um Anna Netrebko bei der «Traviata» in Salzburg in einer...

Am Mythos vorbei

Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder...