Klamauk und Klamotte

Berlioz: Benvenuto Cellini Münster / Theater

Wie «Les Troyens» gehört auch «Benvenuto Cellini» zu den Schmerzenskindern der Operngeschichte. Während die «Trojaner» inzwischen zu Recht als eines der großen Musiktheaterwerke des 19. Jahrhunderts gelten, hat es Berlioz’ 1838 uraufgeführte erste Oper «Benvenuto Cellini» weiterhin schwer. Warum, machte die Aufführung in Münster wider Willen deutlich. Libretto und Musik bewegen sich auf einem schmalen Grat zwischen funkelnder Ironie und bekennerischem Ernst.

Der Stoff, eine Episode aus dem Leben des Florentiner Goldschmieds und Bildhauers Cellini nach dessen Autobiografie, ist zwar historisch, von Berlioz aber prononciert auf die gesellschaftliche Rolle des Künstlers in seiner eigenen Zeit bezogen. Aggressiver, entlarvender Spott, etwa über die päpstliche Willkür, und ein emphatisch überzeichnetes künstlerisches Selbstbewusstsein verbinden sich dabei zu einer schillernden, auch musikalisch brillant unterfütterten Mixtur, die szenisch nicht leicht zu treffen ist.

Aron Stiehl hat in Münster die Flucht nach vorn angetreten und die karnevaleske Handlung in die Gegenwart verlegt. Herausgekommen ist ­dabei leider keine frivol-hintergründige opéra ­comique, sondern ein moderner Aufguss ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Kolumbus, nein danke!

Jedes Jahr am 12. Oktober bekam der junge Mauricio Kagel in Buenos Aires Magengrimmen. Denn an diesem Datum feiert Argentinien die Entdeckung Amerikas mit einem «Día de la raza» («Tag der Rasse»), dem Kolumbus-Tag, einem chauvinistischen Fest zu Ehren der Kolonialisierung. Dies lag Kagel schon aufgrund seiner jüdisch-russisch-deutschen Herkunft stets stagelgrün...

Wahlverwandtschaften

Mehr als Scharnierwerke zwischen verebbender Romantik und heraufdämmernder Moderne sind das. Und es scheint, als habe mit Blick auf diese Phase der musikalischen Entwicklung Richard Strauss auch beim Lied (wie bei der Oper) den Repertoire-Sieg davon­getragen. Dabei erkunden die Mini-Dramen eines Franz Schreker, Alexander Zemlinsky, Othmar Schoeck oder Wilhelm...

Passion einer Liebe

Der Ungar Jenö Hubay (1858-1937) ist heute nur noch Geigern durch seine virtuosen Violinkompositionen ein Begriff. Braunschweig hat jetzt seine 1923 in Budapest uraufgeführte, zuletzt 1936 in Wien und Chemnitz gespielte Oper «Anna Karenina» ausgegraben. Hubays Librettisten Alexander Góth und Andor Gabór (der später als kommunistischer Schriftsteller in der Weimarer...