Heilsbringer, selbst ernannt
Er sei nicht interessiert daran, Märchen zu erzählen, hatte Carlos Wagner vorab gesagt. Und schon beim Auftritt des blütenweißen Strahleritters Lohengrin – im Gegenlicht, gezogen von einem in Ketten gelegten Gottfried – zeigt sich, was er mit «Märchen» meint: Verblendung, die nicht als solche erkannt wird. Carlos Wagner versucht der Geschichte vom Heilsbringer am Landestheater Coburg mit Skepsis zu begegnen, mit aufgeklärtem Blick. Er lässt alles, wie es ist. Er glaubt nur nicht daran. Sein Lohengrin ist kein Held, sondern ein selbst ernannter Messias.
Ein Messias, der sich in dieser Pose sehr gut gefällt.
Der Regisseur knotet das Bedeutungsgeflecht der Oper komplett auseinander und bindet es neu zusammen, und, das ist das einzige Wunder in dieser Produktion: Es trägt auch so. Nur Elsa durchschaut das Spiel, und als sie – nach einer Beinahe-Vergewaltigung im Brautgemach – dann doch wissen will, was hinter der Breitbrüstigkeit ihres Gatten steckt, fällt der in sich zusammen. Als er schließlich zur Legitimation seiner Machtergreifung nicht mehr vorzuweisen hat als ein paar Verse, wendet sich auch das Volk gegen ihn. Die geheime Wunderkraft des Grals endet in Coburg nicht in dem ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 31
von Florian Zinnecker
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