Apropos... Spieltechnik

Seine Karriere begann er als Lautenist, seit 1987 leitet Konrad Junghänel das Vokalensemble Cantus Cölln. In den vergangenen zehn Jahren ist er verstärkt als Operndirigent hervorgetreten. Jetzt studiert der 58-Jährige in Köln Monteverdis «Ulisse» neu ein.

Wann haben Sie zum ersten Mal ein Orchester dirigiert?

Cantus Cölln wurde immer größer, irgendwann kam ein kleines Orchester hinzu. Aber solange man sich in der freien Szene bewegt, ist das nicht der große Unterschied. Der tritt erst ein, wenn man vor einem «normalen», klassisch geschulten Stadt- oder Staatsorchester steht. Da weht schon ein anderer Wind, man kann nicht von vorneherein auf große Unterstützung hoffen. Und schlagtechnisch bin ich kein Profi.



Wann haben Sie sich erstmals diesem Wind ausgesetzt?

1999 in Basel bei einem Schütz-Projekt mit Herbert Wernicke – «Wie liegt die Stadt so wüst».

Wie passt das zusammen – historische Aufführungspraxis und moderne Instrumente?

Es geht um das, was Nikolaus Harnoncourt einmal so schön die musikalische «Klangrede» genannt hat. Musiker müssen wieder lernen, mit ihrem Instrument zu sprechen, zu singen. Eben das zu tun, was ein guter, im barocken Sinne geschulter Sänger tun würde. Zum Beispiel Endsilben abphrasieren, das Gewicht herausnehmen. Deshalb schreibe ich den Orchestern, mit denen ich arbeite, gern mal kleine Decrescendo-Zeichen in die Noten.

Und wie halten Sie es mit Sängern, die keine Barockerfahrung haben?

Die wesentliche Frage ist: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Jörg Hillebrand

Weitere Beiträge
Despoten mit Herz

Für die Nachwelt bleibt der Name Gottlob Frick mit der deutschen Oper verbunden, mit Mozart, Beethoven, Weber, Lortzing und vor allem Wagner. Seine Glanzrollen in diesem Repertoire hat Frick in kompletten Einspielungen hinterlassen. Seine Lieblingspartie jedoch, Philipp in Verdis «Don Carlos», war bislang nur in Ausschnitten dokumentiert, was allein daran liegt,...

Gerüttelt und geschüttelt

Das Teatrino di Corte an Neapels Palazzo Reale ist ein vergleichsweise unbekanntes Juwel, das ganz im Schatten des majestätisch-prunkvollen Teatro San Carlo steht. Dabei ist in dem kleinen, 1768 fertiggestellten Theater so manche neapolitanische buffa aufgeführt worden, während man gestandene seria-Kost eher im San Carlo gab. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt,...

Alles eine Frage des Maßes

Unser Georg. Unser Theater. Unsere Hofkapelle. Die Wolken hängen tief über Meiningen, die Luft ist feucht, Nieselregen, Graupelschauer. Auf dem Markt wummert Volksmusik, es riecht nach Glühwein und frisch geschlagenen Tannen. In der Ratsstube ist die Küche bereits «aus», aber hinter den Christbäumen gibt’s noch was, beim Italiener im «La voglia». Die Zahl der Gäste...