Unterm Kreuz

Weimar | Verdi: La Traviata

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Violetta als Opfer männlicher Begierden, zur Hure gemacht, in den Tod getrieben – so lässt sich das Beuteschema der szenischen Annäherungsversuche skizzieren, die das Bühnenleben der «Traviata» seit vielen Jahren prägen. Auch wenn das historische Weichbild ihrer tragischen Geschichte, die opulenten Salons im Paris des Second Empire, längst von Ansichten aus der heutigen Parvenü- und Spaßgesellschaft überwuchert ist, so behielt die durch Alexandre Dumas’ «Dame aux Camélias» (Verdis Quelle) angestoßene sozialkritische Lesart doch die Deutungshoheit.

Noch in der radikalen Zuspitzung des Geschehens auf das (innere) Leiden und Sterben einer am zynischen Hedonismus ihrer «Freunde» verreckenden Frau, die unlängst Peter Konwitschny in Graz (siehe OW 3/2011) und Benedikt von Peter in Hannover (siehe OW 11/2011) vornahmen, schreibt sich – gleichsam in psychosozialer Engführung – diese Tradition fort.

Am Weimarer Nationaltheater macht Operndirektor Karsten Wiegand nun alles anders, indem er die Akzente demonstrativ ins Religiöse rückt. Verdeckt der Champagnertaumel im Haus der Kurtisane womöglich die erste Station einer christlichen Passion? Ist ihre tödliche Krankheit vielleicht Chiffre ...

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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Albrecht Thiemann

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