Suche nach dem roten Faden

«Ariadne auf Naxos» von Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss in Hannover und Saarbrücken. Ein Aufführungsvergleich

Als Kassenfüller scheint sich das Stück nicht so recht zu eignen. In Saarbrücken verlieren sich 250 Besucher in der Donnerstagsvorstellung, tags drauf in Hannover ist der Saal bestenfalls halbvoll – trotz jeweils guter Besprechungen. Dass «Ariadne auf Naxos» bei Kritikern beliebter ist als beim Publikum, mag mit der Struktur der Oper zusammenhängen. Der Kunstsinn, der die beiden heterogenen Hälften verbindet, teilt sich keineswegs unmittelbar mit und muss für jede Aufführung neu erobert werden.

An der Saar setzt Regisseur Michael Talke auf psychologische Tiefenlotung, mit der Figur des Komponisten im Mittelpunkt. Ein Zweifler und Melancholiker, der Titelfigur seiner Oper nicht unähnlich, residiert er in einem tristen Hotelzimmer. Der Haushofmeister, der die jeweils neuesten Befehle des Mäzens bringt, ist hier eine düstere Stimme vom Band, präsent nur als vampirartiger Schatten. Wo die heitere Muse der Komödiantin Zerbinetta samt ihrer Buffo-Truppe auf den depressiven Künstler trifft, tut sie es oft in Totenkopf-Masken – so als würde ihre Leichtigkeit die «heilige Kunst» Musik entweihen. Talke lässt die komischen Momente zwar nicht aus – wenn etwa die Komödianten-Truppe im Stil der ...

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Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Dieter Lintz

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