Lettlands Spiegelbild

Riga | Wagner: Götterdämmerung

Opernwelt - Logo

Es hätte ein Revoluzzer-«Ring» und eine europäische Attraktion in Kooperation mit dem Bergen-Festival werden sollen. Vier Regisseure, Ende 30, waren avisiert: Stefan Herheim («Rheingold»), der lettische Theater-Mann Viesturs Kairiss («Walküre»), Litauens Castorf Oskaras Korsunovas («Siegfried») und Lettlands Regie-Wunder Alvis Hermanis («Götterdämmerung»).

Doch erst verlor Hermanis den Glauben an die Arbeitsweise des Opernbetriebs, dann verlor Korsunovas den Kampf gegen den Alkohol, schließlich fiel die «Götterdämmerung» 2009 dem nur unter drakonischem Sparzwang abgewendeten Staatsbankrott Lettlands zum Opfer. Das Budget der Lettischen Nationaloper Riga wurde seit 2009 um 37 Prozent gekürzt. Es beträgt heute 5,6 Millionen Euro, wovon ein Drittel durch Kartenverkäufe und Sponsoren erwirtschaftet wird.

Die Vollendung des Rigaer «Rings» wurde jetzt nachgeholt. Kairiss, dem nach der Absage der Kollegen auch der dritte und vierte Teil übertragen wurden, nutzte die Zeit seit «Siegfried» (2008), um sich symbiotisch in die «Götterdämmerung» einzuleben und sie als Polit-Boulevard über Lettlands Gesellschaft neu zu erfinden. Das Ergebnis ist eigenständig und handwerklich gut gemacht. Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Boris Kehrmann

Weitere Beiträge
Apropos ... Väter: Bo Skovhus

Herr Skovhus, mit Aribert Reimanns «Lear» in Hamburg rücken Sie abrupt ins Großvaterfach vor.

Na ja, Fischer-Dieskau war 53 Jahre alt, als er den «Lear» uraufgeführt hat. Ich bin vier Jahre jünger, als er es damals war. Allerdings ist Lear, wie Sie wissen, überhaupt kein Großvater. Seine Töchter haben ihm keine Enkelkinder geschenkt. Er ist Vater. Testfrage...

Für diese Tenöre gilt die Unschuldsvermutung

Seit neun Jahren, seit seinem Debüt in Erfurt, schlüpft er in die mal mehr, mal weniger glänzende Rüstung des Gralsritters. Lohengrin, das ist für Klaus Florian Vogt die Rolle geworden, über die er sich definiert und mit der er bei den Bayreuther Festspielen seinen womöglich größten Triumph gefeiert hat. Eine Gesamtaufnahme steht noch aus (und wird unter Marek...

Spontaneität und Wärme

Eines ihrer persönlichsten Projekte der letzten Jahre war 2002 die CD «Ninna Nanna»: achtzehn Wiegenlieder aus zwölf Ländern, in denen sich ihr warmer, sparsam vibrierender Sopran mit jener Menschlichkeit, jenem Engagement für Menschen verband, das ihr Markenzeichen war.

Montserrat Figueras stammte aus einem musikalischen Elternhaus. 1942 wurde sie in Barcelona...