Neunmalklug
Angeblich liegt Jules Massenets Oper «Hérodiade» Gustave Flauberts gleichnamige Erzählung zugrunde. Flaubert freilich hält sich in diesem Spätwerk genau an den biblischen Befund, wie ihn auch Strauss’ «Salome» in etwa wiedergibt.
Diese kurze Geschichte (bei Strauss reicht sie ja auch nur für einen Einakter) schien für eine Grand Opéra ein bisschen dürftig, und so plusterten die Librettisten Milliet und Grémont sie mit allerlei Intrigen auf: Salome und Herodias sind Rivalinnen, wissen aber voneinander zunächst nicht, dass sie Mutter und Tochter sind; die darob leicht neurotische Salome hängt mit schwärmerischer Liebe an dem Wanderprediger Johannes, wird ihrerseits aber von Herodes begehrt. Sie fordert auch nicht Johannes’ Kopf, fleht vielmehr um sein Leben. Als das fehlgeht, stürzt sie sich in mörderischer Absicht auf Herodias; als sie erfährt, dass diese ihre Mutter ist, tötet sie sich selbst.
Die ursprüngliche Geschichte verschwindet hinter solcherlei holzschnittartiger Opern-Kolportage. Zudem wird das Ganze mit breit ausgeführten Massenszenen im «orientalischen Stil» prächtig aufgezäumt. Man hat «Hérodiade» deswegen mit Verdis «Aida» verglichen: Während aber dort die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Ingo Dorfmüller
Der Wald steht schwarz und schweiget keineswegs. Kleine Lichtschneisen durchzittern sein dichtes Laub, geben uns ein Gefühl für seine prächtigen Baumkronen. Aus dem Geäst kommen Fanfaren und Stimmen. Menschen? Naturwesen eher, bemoost am ganzen Körper oder mit Blättern überzogen. Oder doch Soldaten mit Grasbüscheln auf den Helmen? Schwer zu sehen, schwer zu sagen....
Sambafieber erwartet man in einer brasilianischen Oper des späten 19. Jahrhunderts vergebens. Mestizische Leidenschaften werden ein gutes halbes Jahrhundert später in Epen, Romanen und Gedichten von Rosa, Amado oder Andrade beschworen, ein wenig früher bereits in der immensen Musikproduktion von Heitor Villa-Lobos. Kunstmusikalisch orientiert sich der riesige...
Mister Turnage, Sie haben vor rund zehn Jahren einen kurzen Beitrag für «Opera» geschrieben...
Wirklich? Daran kann ich mich gar nicht erinnern...
Die «Erzähl»-Oper, hieß es da, sei ein Auslaufmodell, eine Sackgasse. Viele dachten damals, «The Silver Tassie» nach Sean O’Casey sei die letzte Turnage-Oper. Jetzt haben Sie es doch wieder gemacht...
Das ist schon...
